‚Vier gewinnt‘ – Leseabend stimmt auf BUCHBERLIN ein

Witzig, nachdenklich, kuschelig oder spannend. Zum Auftakt der BUCHBERLIN begrüßt Amandara Events vier AutorInnen, die Kostproben aus ihren Werken vorlesen. Unter den Gästen des Leseabends werden auch Eintrittskarten für die BUCHBERLIN verlost: Donnerstag, 21. November 2019, 19 Uhr in der Kulturbremse, Jagowstraße 29,10555 Berlin, Veranstalterin: Amandara Events, Spenden erbeten

'Vier Gewinnt' am21.11. in der Kulturbremse

Berlin. ‚Vier gewinnt‘ heißt die Auftaktveranstaltung zur diesjährigen BUCHBERLIN. Claudia Lekondra, Janina Venn-Rosky, Christine Corbeau und Nora Gold versprechen mit ihren Texten ein abwechslungsreiches Literatur-Erlebnis. „Geheimnisvoll und hintergründig, locker und ernst, unser Programm ist so vielfältig, wie wir es sind“, sagt Claudia Lekondra. Die Berliner Autorin ist die Initiatorin des literarischen Warm-ups zur drittgrößten Buchmesse Deutschlands. „Zwei Tage Buchmesse in Berlin sind immer viel zu kurz. Die Messetage sind prall gefüllt mit spannenden Gesprächen unter Kollegen und mit den Lesern. Da kam mir die Idee, die Tage vor der Messe zur Einstimmung auf die Messe zu nutzen im Rahmen eines bunten Leseabends“, so Lekondra.

Beim Wünschen blieb es nicht. Claudia Lekondra begeisterte nämlich drei KollegInnen und die Veranstalterin Amandara Events für ihre Idee und diese nahm schnell Gestalt an. Darum kommen Literaturfans am Donnerstag, dem 21. November, bereits zwei Tage vor dem Start der diesjährigen BUCHBERLIN auf ihre Kosten. Ort der Begegnung ist die Artisten-, Zauber- und Clownsschule Kulturbremse in Berlin-Moabit.

Claudia Lekondra liest an diesem Abend – anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls – aus ihrem 2005 erschienenen Roman „Brüder und Schwestern“, in dem die Geschichte der 20-jährigen Anna erzählt wird, die im Sommer 1984 unter mysteriösen Umständen aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland reist und deren Leben in der Folgezeit durch Schuldgefühle, Trauer und Einsamkeit zum Alptraum wird. Jahre später holt eine zufällige Begegnung Annas Vergangenheit hervor und offenbart ihr, was wirklich im Jahr ’84 geschah. Claudia Lekondra: „Im Roman setze ich mich mit der immer wieder gestellten Frage im Zusammenhang unserer deutschen Geschichte auseinander: Wer ist Opfer, wer ist Täter? Oder: Findet man Opfer und Täter in einer Person?“

Janina Venn-Rosky, die seit zehn Jahren in Berlin-Pankow lebt, liest aus ihrem gerade erschienenen Roman „Der Hühnerflüsterer, meine Oma und ich“. In der Geschichte begegnen wir Designerin Emma, die das Gefühl hat, ihr Leben gleicht einem Hamsterrad. Ihr Freund ist mehr an seiner Karriere als an ihr interessiert und anstatt ihre Kreativität auszuleben, muss Emma sich mit einer bissigen Chefin und Tinderprofilen für Kekse herumschlagen. Doch in der Krise liegt auch eine Chance. Als Emma zu ihrer erkrankten Oma ins tiefste Brandenburg gerufen wird, hat sie – konfrontiert mit grantigen Nachbarn, entlaufenen Hühnern und einem attraktiven Hühnerflüsterer – endlich Zeit herauszufinden, was ihr wirklich wichtig ist im Leben.

Christine Corbeau, hinter der, beziehungsweise, hinter dem sich der Berliner Autor Christian Raabe verbirgt, setzt sich in der Lesung mit der Frage auseinander: „Wer will schon eine Null“, die zugleich Titel des heiteren Romans ist, der im Frühjahr 2019 erschienen ist. Dessen quirlige Protagonistin befindet sich aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände auf dem Weg durch ein Land, das sie nicht kennt, zu einem Hotel, in das sie nicht will. Kaum angekommen trifft sie auch schon auf zwei Männer mit Geheimnissen.

Die gebürtige Westfälin Nora Gold liest aus ihrem Roman ‚Johannisnacht’ (erschienen 2015), in dem es um ein Verwirrspiel zwischen Täuschung und Wirklichkeit geht. Eine junge Journalistin reist für eine Reportage in die Oberlausitz und kommt dort einem Familiengeheimnis aus dem Zweiten Weltkrieg auf die Spur. Ein altes Tagebuch aus den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts wird dabei zu einer wichtigen Quelle.

Die Lesungen dauern jeweils etwa eine halbe Stunde. Im Anschluss haben die Gäste die Möglichkeit zum Austausch mit den Autoren. Unter den Besucherinnen und Besuchern werden außerdem Eintrittskarten für die BUCHBERLIN verlost, die am 23. und 24. November im Mercure Hotel MOA Berlin, Stephanstraße 41 in 10559 Berlin stattfindet, und an der auch die Autorinnen von ‚Vier gewinnt‘ teilnehmen. Das literarische Warm-up findet am 21. November um 19 Uhr in der Kulturbremse Berlin Moabit statt, Jagowstraße 29, 10555 Berlin. Spenden erbeten.

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Presse-Kontakt:
Claudia Lekondra,
‚Vier gewinnt‘
c/o henkeverlag-berlin
phone:+491723061262
e-mail: info@henkeverlag-berlin.de
http://www.henkeverlag-berlin.de

Weitere Informationen zu den Autorinnen/zum Autor von ‚Vier gewinnt‘

Claudia Lekondra:
Die Autorin ist im März 1968 in Berlin geboren. Bevor sie lesen und schreiben lernte, waren die Familienmitglieder ständig mit Vorlesen beschäftigt, um ihren Bücherdurst zu stillen. Claudia Lekondras Schulbesuch diente anfangs lediglich der Aneignung von Lese- und Schreibkenntnissen. Diese setzte sie sogleich um, indem sie zum einen die Familienmitglieder entlastete und ihren Bücherdurst von nun an allein stillte und zum anderen Romane und Kurzgeschichten schrieb. Im Jahre 1993 schrieb sie ihr erstes Buch auf dem Computer. Durch einen Freund wurde sie seinerzeit dazu inspiriert, den Roman zu veröffentlichen. Im Jahre 2002 erschien „Und nichts die Stunde uns wiederbringen kann“, im Jahre 2004 folgte der Roman „Brüder und Schwestern“ und im November 2007 wurde “ Ein Schiff am Horizont“ veröffentlicht. Im Juli 2013 wurde der vierte Roman „Weder Himmel noch Hölle“ veröffentlicht. Die vollständig überarbeitete Neuauflage des Romans „Und nichts die Stunde uns wiederbringen kann“ ist im Mai 2016 veröffentlicht worden. Zurzeit schreibt Claudia Lekondra an ihrem fünften Roman. Zudem kann man auf der homepage des henkeverlag berlin ihre monatlichen Blogs verfolgen. Claudia Lekondra arbeitet und lebt in Berlin.

http://www.henkeverlag-berlin.de

Janina Venn-Rosky:
Die gebürtige Kielerin hat in ihrer Heimatstadt sowie in Hamburg Literatur, Anglistik, Kunstgeschichte und Design studiert. Janina Venn-Roskys Bücher sind Wohlfühlromane für kleine Auszeiten im Alltag. Die Autorin schreibt über Frauen, die auf der Suche nach ihrem eigenen Weg sind, über Freundschaft und Liebe, die Magie kleiner Momente und großer Gefühle. Außerdem ist die Autorin als Designerin tätig und hat an zahlreichen Büchern über Farbe und Designtrends mitgewirkt wie zum Beispiel „Farbvergnügen: Aktuelle Wohntrends“ oder „Farben der Gesundheit / Colours of Health & Care: Das Planungshandbuch für Gestalter im Gesundheitswesen“. Seit zehn Jahren lebt die Autorin mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Berlin-Pankow. Sie liebt das Meer, ausgedehnte Spaziergänge, England und gemütliche Teestunden.

https://janinavennrosky.de/

Christine Corbeau / C A Raaven:
Christine Corbeau ist das Pseudonym des Berliner Autors Christian Raabe, unter dem er heitere Romane schreibt, die „was mit Liebe zu tun haben“. Geboren wurde dieses Alter Ego in Zusammenarbeit mit zwei Kolleginnen vom Autorensofa, auf dem er seit 2017 einen festen Platz einnimmt. Tatsächlich war auch zuerst die Geschichte da. Als diese hartnäckig darum buhlte, endlich aufgeschrieben zu werden, musste einfach ein passender Name her. Und schon war Christine geboren.

Unter dem Pseudonym C. A. Raaven schreibt Christian Raabe Urban Fantasy für Teenager und alle, die es im Herzen noch geblieben sind. Seine Helden sind zwar jung, haben aber trotzdem ihre Ecken und Kanten. Wenn sie zum ersten Mal dieses komische Gefühl mit dem Namen Liebe verspüren, dann geschieht das nicht in Form von hormongeladenen Teenagerdramen, sondern auf eine augenzwinkernde Weise, die manchmal zu unfreiwillig komischen Situationen führt.

http://www.lacorbeau.de

http://www.c-a-raaven.de

Nora Gold:
Geboren und aufgewachsen ist Nora Gold in Westfalen. Nach einem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie arbeitete sie viele Jahre lang als Pressereferentin in einer Hochschule und später in einem Universitätsklinikum sowie freiberuflich bei verschiedenen Printmedien. Nach Feierabend begann sie Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, später folgten Krimis. Seit 2013 liegt der Focus der Autorin auf romantischen Geschichten. Außer Nervenkitzel und großen Gefühlen bieten die Romane von Nora Gold immer auch ein Stück Reiseliteratur. So sind der Zweiteiler ‚Der Löwe von Dark Rose‘ und ‚Die geheimnisvolle Reise der Kaja D.‘ etwas für Schottlandfans, während ‚Johannisnacht‘ und ‚Walpurgistage’ in der zauberhaften Oberlausitz und ‚Der Smaragdgarten‘ in einem kleinen Weinort bei Dresden spielen.

https://norasimpressionen.com

 

Und über uns schwebt Wilhelmine

„Was bedeutet dieser Titel?“, wurde ich von einigen Freunden gefragt, nachdem ich meinen jüngsten Roman veröffentlicht hatte.

Im Herbst befand ich mich gerade in der Nähe von Dresden, als über mir ein Heißluftballon mit einem wunderschönen Frauenporträt schwebte und mir schoss der Gedanke durch den Kopf: ‚Über mir schwebt Wilhelmine.‘ Denn nur wenige Wochen vor diesem Erlebnis war ich von einer Bekannten, die aus dieser Region kommt, auf die erste Ballonfahrerin Deutschlands, Wilhelmine Reichard (1788 – 1848), aufmerksam gemacht worden. Seitdem hatte ich mit dem Gedanken gespielt, diese wagemutige und spannende Frau in einen meiner Romane aufzunehmen. Doch es wäre wahrscheinlich bei der Idee geblieben, wäre nicht an diesem Tag ein Ballon mit Wilhelmines Porträt genau über mir vorbeigeflogen. Als wollte sie mich anstupsen, endlich loszuschreiben. Und so ist schließlich diese kleine Geschichte entstanden. Wilhelmine kommt darin zwar nur am Rande, als Thema eines Bilderzyklus‘ vor. Doch die Leserin und der Leser erfahren dennoch in kurzen Rückblenden ihre Lebensgeschichte und erleben mit, wie Wilhelmine an einem stürmischen Septembertag im Jahre 1811 aus fast 8000 Metern Höhe in der Nähe von Dresden mit ihrem Ballon abstürzte.

Im Vordergrund der Erzählung steht jedoch eine Liebesgeschichte aus unseren Tagen, nämlich die der Mina Krull, einer bekannten Dresdner Galeristin mit einem sicheren Gespür für ein lukratives Geschäft. Beruflicher Erfolg bedeutet ihr alles. Nur ihre Freundin Felizia ahnt, dass Mina ein Geheimnis bewahrt, das aus der begeisterungsfähigen Studentin eine kühl kalkulierende Karrierefrau gemacht hat, die ihre Ideale von einst verrät. Bis Mina eines Tages auf dem Dresdener Striezelmarkt dem obdachlosen Wojtek begegnet und ihr bisheriges, scheinbar so geordnetes Leben ins Wanken gerät.

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An einem Ort voller Mythen und Sagen

… spielt der Auftakt meiner neuen Windsbraut-Serie mit dem Titel Walpurgistage. Nämlich in Zittau in der Oberlausitz. Diese hat ihre eigenen Sagen zur Walpurgisnacht, denen ich an vielen Orten der Region nachgespürt habe. Eine Hexe ist mir dabei allerdings nicht begegnet. Zauber hingegen schon. Nämlich der einer wunderschönen Landschaft und kleiner Orte. Mit anderen Worten, die Recherche zu diesem Buch hat mir wieder einmal viel Freude bereitet. Und da darf natürlich auch meine Lieblingsstadt Berlin nicht fehlen. Sie wird ein Handlungsort bei den folgenden Windsbrautgeschichten bleiben.

In der ersten Geschichte geht es um eine große Liebe, um einen bitteren Verrat und um Freundschaft, wie auch der Klappentext verrät:
In Neles Leben läuft gerade nichts wie es soll. Ihr kleiner Modeladen in Berlin steht kurz vor der Pleite. Und ihr Freund ist nun ihr Ex-Freund, nachdem Nele ihn mit einer anderen Frau erwischt hat. Als sie an diesem Morgen in die Oberlausitz fährt, sehnt sie sich nach ein paar Tagen Ruhe mit ihrem Bruder und dessen Frau. Doch es kommt anders.

Auf der Hinfahrt lernt sie Daria kennen. Die lebhafte junge Frau ist Nele auf Anhieb sympathisch. Ebenso deren geschäftstüchtige und umtriebige Großmutter Mathilde, mit der Daria in Zittau eine Apotheke führt. Daria steht kurz vor der Hochzeit mit Simon, doch über ihrem Glück ziehen Gewitterwolken auf. Dann taucht noch unerwartet der attraktive Journalist Emanuel auf, den Nele schon aus Berlin kennt, und sorgt für neue Unruhe. Vor allem bei Nele, die den Mann vor einem furchtbaren Unfall bewahrt. Und da ist noch diese mysteriöse alte Frau, die wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. In der Walpurgisnacht, in der nach altem Volksglauben die Dämonen mit einem großen Feuer vertrieben werden, kommt es zur Katastrophe. Und plötzlich ist nichts mehr, wie es war.

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Das Mythische, Geheimnisvolle sorgt in der Geschichte für manchen Gänsehaut-Moment, wie auch die folgende Leseprobe erahnen lässt:

„Die Alte fand heute keine Ruhe an ihrem Lieblingsplatz vor der Höhle. Dreimal schon hatte sie diesen Ort verlassen und war schnurstracks an Mathildes Krankenbett geeilt. Was hatte diese doch bei ihrem letzten Treffen gesagt: „Dann ist meine Zeit also gekommen.“

Linde schauderte bei dem Gedanken, dass ihr Besuch bei Mathilde deren Krankheit vielleicht beschleunigt hatte. Das war ganz und gar nicht ihre Absicht gewesen. Doch sie hatte Mathilde die Wahrheit sagen müssen. Sie hatte ihr keinen Schmerz zufügen wollen und hatte es so sanft wie möglich getan. Und Mathilde wusste selbst, dass jeder Neubeginn andere, vielleicht größere Möglichkeiten barg, als das Bekannte. Seit Linde Mathilde zum ersten Mal begegnet war, hatte sie immer das Bedürfnis gehabt, das ungewöhnliche kleine Mädchen zu beschützen. Ein paar Jahre lag das schon zurück. Zumindest in ihrer Zeitrechnung. Für die Zeit der Menschen war es eine halbe Ewigkeit. Mehr als achtzig Jahre, hatte Mathilde gesagt. Die Sache mit dieser anderen Zeit, die so viel schneller verging, würde Linde nie verstehen.

Wieder huschte ein Lächeln über ihr faltiges Gesicht, wenn sie an ihre erste Begegnung mit Mathilde dachte. Sechs Jahre alt war das Mädchen damals gewesen. Ganz still hatte es am Rand dieser sonnenüberfluteten Lichtung unter dem Schutz großer Bäume gesessen und fasziniert beobachtet, wie ein paar Buschweiblein mitten auf der Lichtung einen Reigen getanzt hatten. Das Kind hatte gewartet, bis der Tanz vorbei war, dann hatte es in die Hände geklatscht und war ebenfalls auf die Lichtung getreten. Worauf die Buschweiblein verwirrt und aufgebracht Reißaus genommen hatten. Menschen gehörten nun einmal nicht in die Welt des verborgenen Volks. Und wenn sich doch einmal jemand einem Menschen zeigte, hatte er die Entscheidung für diese Begegnung getroffen.

Linde hatte an diesem Tag beschlossen, auf den Spuren des mutigen kleinen Mädchens zu bleiben, das eine Mischung aus Neugier, Sehnsucht und tiefer Ehrfurcht ausstrahlte. Welche Sechsjährige wagte sich schon an Orte, an die es kaum einen Menschen zog? Und Mathilde überraschte ihre heimliche Beobachterin immer mehr. So traute sich das Mädchen in dunkle Felsenhöhlen, in denen Hartgesottenere vor Angst davongelaufen wären. Mathilde hingegen fühlte sich dort geborgen. Ebenso in den Wäldern. Je einsamer ein Ort war, desto besser schien er Mathilde zu gefallen. Und dabei durchschritt sie immer wieder Tore in eine Welt, die für Menschen sonst nicht erreichbar war. Natürlich passte Linde gut auf Mathilde auf, damit dem Mädchen während seiner bisweilen riskanten Streifzüge kein Unglück geschah und es immer wieder in die Welt der Menschen zurückkehren konnte. Und dabei schloss Linde die Kleine immer mehr in ihr Herz. Linde mochte Menschen, die die Grenzen nicht hinnahmen, die die sogenannte Vernunft oder der menschliche Verstand ihnen vorgaben.

Was immer die Menschen darunter verstanden, Mathilde würde es von nun an nicht mehr überzeugen. Dieses Mädchen hatte immer gespürt, dass sich hinter dem Rauschen der Bäume, dem Plätschern des Wassers und dem Klang des Windes noch viel mehr verbarg. Dass diese Erde nämlich ein lebendiges Wesen war, dem sie lauschen und dem sie antworten konnte. Als Linde sich Mathilde endlich zu erkennen gab und ihr vorschlug, ihr alles über Seele und Wesen der verschiedenen Pflanzen beizubringen, hatten die Augen des Mädchens zu leuchten begonnen. Und dieses Leuchten war in all den Jahren – mochten es nun wenige oder ganz viele sein – nie erloschen. Auch wenn aus dem kleinen Mädchen inzwischen eine grauhaarige alte Frau geworden war.

Linde schickte sich an, ein weiteres Mal am heutigen Tag in die Welt der Menschen einzutauchen. Über Mathildes Kopf hatte sich einiges zusammengebraut. Und davon war nicht nur sie selbst betroffen, sondern auch ihre Enkelin Daria. Darum musste Linde bei ihr sein. Ihr Mädchen brauchte sie jetzt.“

Diese und alle folgenden Windsbraut-Geschichten sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.

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Der Löwe ist los …

darkrose_2_oB— Eine große Liebe, ein altes Versprechen und eine Zeitreise in eine wechselvolle Epoche Schottlands —

Und wieder heißt es Abschied nehmen von lieb gewonnenen Figuren und den schottischen Highlands. Denn jetzt ist er fertig, der zweite und damit finale Teil der Roman-Reihe Der Löwe von Dark Rose. Eineinhalb Jahre lang haben mich Maya, Leonard, Elena, Heather und Ole begleitet. Besser gesagt, ich bin mit ihnen durch die Jahrhunderte und ihre wechselvolle Geschichte gereist. Und dabei haben sie mir so manche schlaflose Nacht bereitet. Nun dürfen sie in den Köpfen der Leserinnen und Leser zu neuem Leben erwachen.

Ein Gesicht bekommen haben sie durch die wunderschönen Cover, die Satz + Layout erneut gezaubert hat.darkrose_final

Die Zeit ist reif, dass sich die Dinge wieder zusammenfügen.

Der Löwe von Dark Rose – Im Angesicht der Vergangenheit (Band 1)

Als Maya am ersten Abend ihres lang ersehnten Schottland-Urlaubs im Hotelflur einem Mann begegnet, ahnt sie nicht, dass dieser ein Geheimnis birgt, das ihr von Vernunft und Logik geprägtes Weltbild schon bald erschüttern wird. Lediglich ihr Körper sendet Warnsignale und reagiert mit längst überwunden geglaubten Panikattacken, sobald der Fremde in Mayas Nähe auftaucht. Doch auch ihre Träume beschäftigen Maya zunehmend. Nacht für Nacht erlebt sie, wie eine junge Frau im Schottland des achtzehnten Jahrhunderts mutig für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpft und sich zugleich gegen den Willen ihres Vaters behaupten muss, der seine Tochter mit einem politischen Gegner und Mann zweifelhaften Rufes verheiraten will. Mehr und mehr gerät Maya in den Bann der waghalsigen jungen Frau aus ihren Träumen, die so ganz anders ist als sie selbst. In der Schottin Heather findet Maya schließlich eine Zuhörerin, der sie sich anvertraut. Doch steht Heather wirklich auf ihrer Seite? Als Maya in einem Trödelladen einen alten Sporran – die traditionelle Kilt-Tasche – mit einem goldenen Löwen entdeckt, geschehen plötzlich Dinge, die sie vor ihre größte Herausforderung stellen.

Der Löwe von Dark Rose – Im Fluss der Zeit (Band 2)

„Sei offen für das, was dir begegnet“, hatte die Schottin Heather Maya mit auf den Weg gegeben. Und diese wagt den Schritt auf das Grab von Robert the Bruce, um in Leonards Zeit zu reisen. Sie liebt den Mann aus dem achtzehnten Jahrhundert und ist bereit, ihr bisheriges Leben für ihn aufzugeben. Doch statt in Leonards Zeit landet Maya zweihundert Jahre früher in einem konfessionell gespaltenen Schottland. Iain, ein fahrender Händler und Gelegenheitsdieb, rettet Maya aus einer brenzligen Situation und nimmt sie in seinem Pferdefuhrwerk mit nach Edinburgh. Dass er für sie eine Aufgabe von historischer Bedeutung plant, verschweigt er ihr zunächst. Bis sie in der Werkstatt des berühmten Goldschmieds John Mossman auf einen ihr vertrauten Halsschmuck stößt. Das Rubin-Collier, das Leonard ihr zwei Jahrhunderte später zur Hochzeit schenken wird. Doch erst einmal ist dieses Collier für eine andere bestimmt: Die zukünftige Königin von Schottland. Maya soll die Überbringerin dieses besonderen Geschenks sein. Keine leichte Aufgabe, denn ein Unbekannter tut alles, um die Übergabe des Schmuckes zu verhindern.

Nachts wird Maya erneut von ihren Träumen heimgesucht, die sich um die Ereignisse des Jahres 1745 in Schottland ranken. Das Land steht vor einer Zerreißprobe. Es geht um Machterhalt und die Wiederherstellung der Stuart-Thronfolge. Bonnie Prince Charlie hat die Clan-Oberhäupter aufgefordert, für seine Sache zu kämpfen. Doch Leonard muss sich einem ganz anderen Kampf stellen: Nach einer schweren Verletzung durch feindliche Truppen ringt er um sein Leben. Und dann taucht auch noch eine Frau aus seiner Vergangenheit auf …

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Manchmal klappt’s doch

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Als ich noch klein war, las uns meine Mutter abends oft etwas vor. Unter anderem aus einem Kinderbuch, das schon seit Generationen in der Familie weitervererbt wurde. Die Geschichte spielte zu Beginn des letzten Jahrhunderts und handelte von einem kleinen Mädchen, das seine eigenen Vorstellungen von der Welt hatte und den Anweisungen der Erwachsenen öfter mal zuwider handelte. Anders gesagt, es hatte viel mehr Mut als ich. Und es hatte eine Oma Dresden. Als ich dann lesen lernte und mit meinen Eltern zu meiner Oma Bamberg fuhr, vertrieb ich mir die fünf Stunden Fahrtzeit mit dem Entziffern der Wörter auf den Autobahnschildern. Auf einem stand „Dresden“. Sofort dachte ich an meine Kinderbuchheldin und deren Oma. Ich fragte meine Eltern, ob wir auch mal nach Dresden fahren könnten, und erfuhr so die Sache mit der Mauer. Sie beschäftigte mich nachhaltig. Von da an wünschte ich mir jedes Mal, wenn wir wieder an diesem Schild vorbeifuhren, dass wir doch einfach mal dort abbiegen würden. Und noch heute denke ich jedes Mal daran, wenn ich von meinen Eltern kommend von der A 7 an diesem Schild (oder seinem Nachfolger) den Blinker setze und abbiege. Heute wohne ich in der Nähe von Dresden.

Trotzdem sollte man beim Wünschen eine gewisse Vorsicht walten lassen: Als Studentin wünschte ich mir immer eines dieser großen Autos einer bestimmten Marke. Die hatten damals Kultstatus. Vorausgesetzt, sie waren uralt, ziemlich verbeult und in einer ungewöhnlichen Farbe lackiert. Rosa oder lila. Oder so. Natürlich hatte ich kein solches Auto. Und irgendwann vergaß ich meinen Wunsch auch wieder. Bis ich dann viele – nein, sehr viele – Jahre später mit genau solch einem Auto durch Leipzig fuhr. Mindestens zwanzig Jahre alt (das Auto), nur noch wenig Lack auf dem Blech, mit abgerissenen Zierleisten und (kein Scherz) einem Knoten in der Antenne. Als mir auffiel, dass sich nun mein Wunsch erfüllt hatte, musste ich erst einmal anhalten, weil ich einen Lachkrampf bekam. Das Auto gehörte übrigens meinem damaligen Freund und heutigen Mann, der sich einen Spaß daraus machte, die Schrottkarre auf dem Uniklinik-Parkplatz direkt neben den schicken Karossen seiner Kollegen zu parken.

Die dritte Geschichte, die mir passiert ist, hat selbst mich Verstandesmenschen (muss ja nicht nur mein eigener sein) ein wenig nachdenklich gemacht: Es gab einmal eine sehr nahe Freundin in meinem Leben. Wir hingen sprichwörtlich zusammen wie Pech und Schwefel und nichts schien uns trennen zu können. Wir sind auch viel zusammen gereist, mit ihr habe ich beispielsweise ‚mein‘ Schottland entdeckt. Doch dann geschah etwas, was manchmal im Leben passiert, ohne, dass man es wirklich versteht oder verhindert. Jedenfalls hatten wir anschließend viele, viele Jahre keinerlei Kontakt mehr zueinander. Natürlich gab es neue Freunde und neue Reisen und sie sind alle wichtig für mich und Teil meines Lebens geworden. Doch wie gern wollte ich wieder dieser einen Freundin nahe sein, mit ihr reden, lachen. Und reisen. Die meisten Geschichten verlaufen sicher anders. Doch manchmal hält das Leben tatsächlich eine zweite Chance bereit. Nächste Woche fliegen diese Freundin und ich zusammen in den Urlaub. Mehr als doppelt so alt wie beim letzten Mal und (hoffentlich) ein bisschen klüger.

Ich würde nicht darauf bauen, aber manchmal funktioniert die Sache mit dem Wünschen eben doch. Und dann braucht’s nur noch ordentlich Geduld 😉

Hier wohnten die Mc Cullochs

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Blick von den Zinnen von Cardoness Castle

… und zwar ab dem späten 15. Jahrhundert. Als Wehrburg und schottisches ‚Tower House‘ bot Cardoness Castle südwestlich von Gatehouse of Fleet in der Region Dumfries und Galloway viel Komfort. Der neueste architektonische Schrei fand hier auf sechs räumlich gut durchplanten Etagen seine Umsetzung, mit einer ehemals prächtigen Empfangshalle, zahlreichen kleinen und größeren Gemächern, zwei Gefängniszellen sowie viel Stauraum in verschieden tiefen Kellern für alles, was man zum Leben und zur Verteidigung so brauchte. Eine echte Residenz für den Laird der McCullochs of Myreton und seine Familie.

Diese wohnte hier bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Leider vertrugen sich die McCullochs aber nicht mit den Gordons, ihren Nachbarn. Und nachdem Sir Godfrey McCulloch ein Mitglied der Gordons gar ermordet hatte, floh er zunächst nach Frankreich, wurde aber später zurück in Schottland gestellt und hingerichtet. Danach gab der Clan der McCullochs Cardoness Castle auf. Die Burg wechselte anschließend mehrfach den Besitzer, neue Bewohner erhielt sie aber nicht mehr. Heute wird Cardoness Castle von ‚Historic Scotland‘ verwaltet.

Als ich den Ticket-Shop betrat, war die Angestellte gerade in einem ausgesprochen lebhaften Gespräch mit einem Ehepaar. Hinterher erzählte sie mir lachend, dass der Ehemann ein echter McCulloch sei, in den USA lebe und gerade zum ersten Mal die Burg seiner Vorfahren besucht habe. Gut, dass gerade kein Gordon in der Nähe war. 😉

Pragmatismus auf Schottisch

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… ist mir heute im Küstenort Whithorn in Gestalt einer Tankstelle begegnet, deren Kassenhaus – vermutlich aus Platznöten – direkt in den Eingang einer ‚ausgedienten‘ Kirche gebaut wurde. 20170521_15275120170521_153343Überhaupt werden Kirchen hier bisweilen zweckentfremdet. Manchmal laufen sogar Abwasserrohre mitten durch die Sitzreihen und verschwinden dann wieder im Boden. Zwar ist mir in den letzten sechs Tagen hier noch immer kein Schotte im Rock begegnet, doch ich habe die zauberhafte Region Dumfries und Galloway inzwischen fest in mein Herz geschlossen.

Ein Garten wie im Märchen

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Diesmal ist es die Region Dumfries und Galloway, in der meine Reise startet. Die Sonne strahlt bereits vom Himmel, als ich am 16. Mai in Glasgow lande. Gut zwei Stunden Fahrt liegen vor mir, es geht in den südwestlichsten Zipfel des Landes. Ein Teil der Fahrt führt an der malerischen Küste entlang. Die sanfte grüne Hügellandschaft um Stranraer erinnert mehr an England als an Schottland. Und auch die Männer im Kilt vermisse ich hier. Dafür lerne ich gleich am ersten Tag einen zauberhaften Garten kennen. Eigentlich sind es mehrere, wie auch der Name ‚Castle Kennedy Gardens‘ deutlich macht. Namensgeberin ist eine Schlossruine aus dem Jahr 1607, die sich gleich am Eingang zu diesen Traumgärten befindet. Sie soll bereits 1716 ausgebrannt sein und wurde nie wieder aufgebaut. Vollkommen intakt hingegen ist ‚Lochinch Castle‘ (Foto) aus dem Jahr 1864 am anderen Ende des riesigen Areals. Das Schloss ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Doch es gibt auch so unglaublich viel zu sehen in dieser unbeschreiblichen Gartenlandschaft mit liebevoll angelegtem ‚Walled Garden‘, ‚Heather Garden‘, Teichen, riesengroßen Azaleen- und Rhododendronbüschen, verschwiegenen Pfaden, Plätzen und Bänken, prächtigen Rasenflächen und Waldzonen mit vielen unterschiedlichen Baumarten. Wer will, kann diesen einmaligen Ort auf vier verschiedenen Wegen durchlaufen. Dafür sollte man Zeit mitbringen, mindestens einen halben Tag. Umgeben ist ‚Castle Kennedy Gardens‘ von einem weißen und einem schwarzen See. Ein echtes Paradies.

Ein schottisches Abenteuer

Monatelang hat er mich in Atem gehalten: Der Löwe von Dark Rose. Nun ist der Auftakt zum gleichnamigen Romanzweiteiler erschienen. Er spielt in Schottland und natürlich an den Orten, über die in den vorigen Beiträgen zu lesen ist. Zum Glück musste ich mich noch nicht endgültig von meinen Romanfiguren verabschieden, die mir in den letzten Monaten sehr ans Herz gewachsen sind. Im Mai geht’s für den zweiten Teil wieder auf Recherche-Tour nach Schottland. Auf der Suche nach magischen Orten und spannenden Begegnungen mit einem wunderschönen Land und seiner wechselvollen Geschichte.

darkrose_finalDer Löwe von Dark Rose
– Im Angesicht der Vergangenheit

– Eine große Liebe, ein altes Versprechen und eine Zeitreise in eine aufregende Epoche Schottlands –

Als Maya am ersten Abend ihres lang ersehnten Schottland-Urlaubs im Hotelflur einem Mann begegnet, ahnt sie nicht, dass dieser ein Geheimnis birgt, das ihr von Vernunft und Logik geprägtes Weltbild schon bald erschüttern wird. Lediglich ihr Körper sendet Warnsignale und reagiert mit längst überwunden geglaubten Panikattacken, sobald der Fremde in Mayas Nähe auftaucht. Doch auch ihre Träume beschäftigen Maya zunehmend. Nacht für Nacht erlebt sie, wie eine junge Frau im Schottland des achtzehnten Jahrhunderts mutig für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpft und sich zugleich gegen den Willen ihres Vaters behaupten muss, der seine Tochter mit einem politischen Gegner und Mann zweifelhaften Rufes verheiraten will. Mehr und mehr gerät Maya in den Bann der waghalsigen jungen Frau aus ihren Träumen, die so ganz anders ist als sie selbst. In der Schottin Heather findet Maya schließlich eine Zuhörerin, der sie sich anvertraut. Doch steht Heather wirklich auf ihrer Seite? Als Maya in einem Trödelladen einen alten Sporran – die traditionelle Kilt-Tasche – mit einem goldenen Löwen entdeckt, geschehen plötzlich Dinge, die sie vor ihre größte Herausforderung stellen.

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(M)eine schottische Romanze – Abbotsford House

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Als ich Abbotsford House in der Nähe von Melrose zum ersten Mal besuchte, war ich siebzehn Jahre alt. Das ist eine ganze Weile her. Doch diese erste Begegnung hat meine Begeisterung für Schottland geprägt. Es war genau dort, als der Funke übersprang, und ich zum Schottland-Fan wurde. Nicht, dass ich die „Romanze in Stein und Mörtel“, wie sein Erbauer, Sir Walter Scott (1771-1832), seinen schlossähnlichen Landsitz nannte, schöner fände, als manch anderes schottisches Herrenhaus. Im Gegenteil. Das lange Gebäude mit 20160708_134711 - Kopieseinen vielen Kaminen, Zinnen und kleinen Türmen ist eine gewagte Mischung unterschiedlichster Quellen und ‚Zitate‘ historischer Bauwerke. So soll der Eingang dem Hauptportal von Linlithgow Palace nachgebildet sein, während die Mauer im Hof wie der Kreuzgang von Melrose Abbey gestaltet sei. Und drinnen geht es ebenso vielfältig weiter. Denn der schottische Dichter und Schriftsteller war ein begeisterter Sammler. Beispielsweise von Waffen und Kuriositäten, die die Räume und Wände von Abbotsford House füllen. Stil findet man hier zunächst nicht. Zumindest keinen einheitlichen.

Ein Jurist wird Romantiker

Walter Scott hat in Edinburgh Rechtswissenschaften studiert, wurde anschließend Sheriff von Selkirk und später Richter. Die Literatur hat ihn jedoch schon immer fasziniert und er übersetzte noch während des Studiums Werke bekannter Schriftsteller, darunter auch von Goethe. Als er selbst zu schreiben begann, waren es zunächst epische Romanzen. Aus seiner Feder stammen Werke wie Marmion (1808) oder The Lady of the Lake (1810). 1814 folgte – zunächst anonym – sein erster Waverley-Roman. Damit begründete Scott das Genre des historischen Romans. Dem ersten folgten noch 25 weitere und Sir Walter Scott wurde zum Bestseller-Autor. Rob Roy und Ivanhoe sind ebenfalls schottische Helden, die er zu neuem Leben erweckte und damit einen entscheidenden Anteil an der aufkeimenden Schottlandromantik hatte. Und diese ging schon damals weit über die Landesgrenzen hinaus.

Wieder tragbar: Tartan und Kilt

Eigentlich heißt Scotts erster Waverley-Roman in Übersetzung: Waverley  oder s‘ ist sechzig Jahre her. Mit dem Zusatz ist der Jakobiten-Aufstand gegen die englischen Regierungstruppen gemeint, die mit Charles Edward Stuart – genannt Bonnie Prince Charlie – die Stuarts zurück auf den schottischen und englischen Thron bringen wollten. Der Aufstand endete mit der vernichtenden Niederlage der Clans in der Schlacht von Culloden im Jahre 1746. Natürlich wird im Roman Waverley der Aufstand der Clans ‚offiziell‘ verurteilt und der junge, unerfahrene und in seinen politischen Überzeugungen noch schwankende Held findet gerade noch rechtzeitig den Absprung zur politisch korrekten Seite. Zugleich gelingt es dem Autor aber, den Schotten ihren Stolz zurückzugeben, indem er Geschichte und Tradition der schottischen Clans erzählt und bei seinen Lesern eine romantische Sehnsucht nach den ‚alten Zeiten‘ hervorruft. Eine subtile Form politischen Handelns. Einen großen Schritt weiter geht der zu diesem Zeitpunkt schon geadelte Sir Walter Scott, als er im Jahre 1822 in der Funktion eines Zeremonienmeisters für den Besuch George IV. in Edinburgh – es war der erste Besuch eines englischen Königs in Edinburgh seit 200 Jahren – den royalen Gast in Highland-Outfit mit Kilt in Szene setzt. Seit Culloden war das Tragen von Clan-Attributen wie Tartan und Kilt bei strengster Strafe verboten. Der Auftritt des englischen Königs George IV. in Hochlandtracht machte den Schottenrock nicht nur wieder salonfähig, sondern löste einen wahren Karo- und Kilt-Boom aus, der bis zum heutigen Tage anhält und mit immer neuen Highland-Bestseller-Romanen und -Filmen weiter befeuert wird.

Den Roman Waverley habe ich – angestoßen durch ein Seminar zur englischen (und schottischen) Romantik – ein paar Jahre nach meinem ersten Besuch in Abbotsford House gelesen. Ich gebe zu, das Buch ist ziemlich dick. Doch die Geschichte hat in mir den Wunsch geweckt, endlich einmal nach Culloden zu fahren. Bei meinen bisherigen Schottlandreisen habe ich jedoch keinen meiner Mitreisenden davon überzeugen können. Doch diesmal bin ich ja allein unterwegs.

Romantik bis zum Schluss …

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Dass der Rechtsgelehrte Sir Walter Scott durch und durch ein Romantiker war, zeigt auch seine Grabstätte, die er selbst ausgewählt hat. Es ist die Abteiruine Dryburgh, für deren Erhalt er sich zu Lebzeiten intensiv eingesetzt hat. Dort wurde er 1832 beigesetzt. Bei der Fahrt dorthin soll das Pferd, das die Kutsche mit seinem Sarg zog, noch einmal am nahe gelegenen Scott’s View ohne Anweisung des Kutschers stehen geblieben sein. Der Erzählung nach hat hier Sir Walter Scott immer eine kleine Pause eingelegt, um den traumhaft schönen Blick in die sanfte Hügellandschaft zu genießen.

… und ein wenig Gemecker

20160708_123533 - KopieDoch noch ein letztes Mal zurück zum Haus von Sir Walter Scott. Einer der berühmtesten Kritiker der Stilmischungen an und in Abbotsford House ist Theodor Fontane. In seinem Werk Jenseits des Tweeds lässt er sich ausgiebig darüber aus, wie ich amüsiert gelesen habe. Fontanes Urteil ist jedoch so bissig, dass ich es hier nicht wiedergeben möchte. Denn Abbotsford House ist etwas Besonderes für mich. Vor allem die mit vielen Erstausgaben reich bestückte Bibliothek mit dem schönen Blick hinunter zum Fluss Tweed. Ich bin erleichtert, dass wenigstens im Haus und in den prächtigen Gartenanlagen rundherum noch fast alles so ist, wie ich es in Erinnerung habe. Denn das gilt beileibe nicht für den Teil jenseits von Hof und Haus. Seit 2013 gibt es hier ein sehr großes – zugegeben – dezent gestaltetes Besucherzentrum. Dort bekommt man nicht nur die Eintrittskarten, sondern auch allerlei Schönes aus Tweed und anderen Materialien mit viel Karo und Co. Und eine Etage höher – mit Blick hinüber zu Abbotsford House – befindet sich ein stylishes Restaurant, in dem ich Scones mit Clotted Cream und Erbeermarmelade von quadratisch-schickem Geschirr gegessen und Tee getrunken habe, nachdem ich zuvor (Please wait to be seated!) an einen Tisch komplimentiert worden war. Das Ambiente ist wirklich schön, keine Frage, und Scones und Tee waren köstlich. Dennoch habe ich ein bisschen wehmütig an den kleinen Tea Room mit Selbstbedienung, einfachen Stühlen und Tischen und einem sehr begrenzten Angebot an Speisen und Getränken gedacht,  der sich nahe an Abbotsford House befand und in dem ich früher immer eingekehrt bin. Na bitte, nun blicke auch ich sehnsüchtig in die Vergangenheit. Wenn das nicht Romantik pur ist …