Der Löwe ist los …

darkrose_2_oB— Eine große Liebe, ein altes Versprechen und eine Zeitreise in eine wechselvolle Epoche Schottlands —

Und wieder heißt es Abschied nehmen von lieb gewonnenen Figuren und den schottischen Highlands. Denn jetzt ist er fertig, der zweite und damit finale Teil der Roman-Reihe Der Löwe von Dark Rose. Eineinhalb Jahre lang haben mich Maya, Leonard, Elena, Heather und Ole begleitet. Besser gesagt, ich bin mit ihnen durch die Jahrhunderte und ihre wechselvolle Geschichte gereist. Und dabei haben sie mir so manche schlaflose Nacht bereitet. Nun dürfen sie in den Köpfen der Leserinnen und Leser zu neuem Leben erwachen.

Ein Gesicht bekommen haben sie durch die wunderschönen Cover, die Satz + Layout erneut gezaubert hat.darkrose_final

Die Zeit ist reif, dass sich die Dinge wieder zusammenfügen.

Der Löwe von Dark Rose – Im Angesicht der Vergangenheit (Band 1)

Als Maya am ersten Abend ihres lang ersehnten Schottland-Urlaubs im Hotelflur einem Mann begegnet, ahnt sie nicht, dass dieser ein Geheimnis birgt, das ihr von Vernunft und Logik geprägtes Weltbild schon bald erschüttern wird. Lediglich ihr Körper sendet Warnsignale und reagiert mit längst überwunden geglaubten Panikattacken, sobald der Fremde in Mayas Nähe auftaucht. Doch auch ihre Träume beschäftigen Maya zunehmend. Nacht für Nacht erlebt sie, wie eine junge Frau im Schottland des achtzehnten Jahrhunderts mutig für die Unabhängigkeit ihres Landes kämpft und sich zugleich gegen den Willen ihres Vaters behaupten muss, der seine Tochter mit einem politischen Gegner und Mann zweifelhaften Rufes verheiraten will. Mehr und mehr gerät Maya in den Bann der waghalsigen jungen Frau aus ihren Träumen, die so ganz anders ist als sie selbst. In der Schottin Heather findet Maya schließlich eine Zuhörerin, der sie sich anvertraut. Doch steht Heather wirklich auf ihrer Seite? Als Maya in einem Trödelladen einen alten Sporran – die traditionelle Kilt-Tasche – mit einem goldenen Löwen entdeckt, geschehen plötzlich Dinge, die sie vor ihre größte Herausforderung stellen.

Der Löwe von Dark Rose – Im Fluss der Zeit (Band 2)

„Sei offen für das, was dir begegnet“, hatte die Schottin Heather Maya mit auf den Weg gegeben. Und diese wagt den Schritt auf das Grab von Robert the Bruce, um in Leonards Zeit zu reisen. Sie liebt den Mann aus dem achtzehnten Jahrhundert und ist bereit, ihr bisheriges Leben für ihn aufzugeben. Doch statt in Leonards Zeit landet Maya zweihundert Jahre früher in einem konfessionell gespaltenen Schottland. Iain, ein fahrender Händler und Gelegenheitsdieb, rettet Maya aus einer brenzligen Situation und nimmt sie in seinem Pferdefuhrwerk mit nach Edinburgh. Dass er für sie eine Aufgabe von historischer Bedeutung plant, verschweigt er ihr zunächst. Bis sie in der Werkstatt des berühmten Goldschmieds John Mossman auf einen ihr vertrauten Halsschmuck stößt. Das Rubin-Collier, das Leonard ihr zwei Jahrhunderte später zur Hochzeit schenken wird. Doch erst einmal ist dieses Collier für eine andere bestimmt: Die zukünftige Königin von Schottland. Maya soll die Überbringerin dieses besonderen Geschenks sein. Keine leichte Aufgabe, denn ein Unbekannter tut alles, um die Übergabe des Schmuckes zu verhindern.

Nachts wird Maya erneut von ihren Träumen heimgesucht, die sich um die Ereignisse des Jahres 1745 in Schottland ranken. Das Land steht vor einer Zerreißprobe. Es geht um Machterhalt und die Wiederherstellung der Stuart-Thronfolge. Bonnie Prince Charlie hat die Clan-Oberhäupter aufgefordert, für seine Sache zu kämpfen. Doch Leonard muss sich einem ganz anderen Kampf stellen: Nach einer schweren Verletzung durch feindliche Truppen ringt er um sein Leben. Und dann taucht auch noch eine Frau aus seiner Vergangenheit auf …

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Mitten ins Herz – Culloden

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Früh bin ich an diesem Morgen aufgestanden. Heute geht es an den Ort, den ich schon so lange besuchen will: Culloden Moor.

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Doch vorher fahre ich nach Inverness. Die Stadt wird auch als ‚hub‘ (Radnabe) der Highlands bezeichnet. Sie liegt traumhaft schön an der Mündung des Flusses Ness in den Moray Firth. Und wieder einmal bedaure ich, nicht Beifahrerin zu sein. In der Burg von Inverness, die es längst nicht mehr gibt, hat einst Macbeth regiert. Das war im 11. Jahrhundert.

20160714_132042 - KopieIch schlendere durch die Straßen der 50.000-Einwohner-Stadt, bleibe ab und zu bei Straßenmusikern stehen. Es herrscht eine angenehme Atmosphäre, dennoch empfinde ich Unruhe. Und als ich schließlich am Schloss, das heute statt Macbeth‘ Burg über Inverness thront, zur riesigen Flora MacDonald aufblicke, der Frau, die nach der verheerenden Schlacht im Moor den schönen Stuart-Prinzen in einer mehrmonatigen abenteuerlichen Flucht schließlich auf ein Schiff und damit außer Landes schmuggeln konnte, mache ich mich schleunigst auf den Weg zum eigentlichen Ziel meiner heutigen Reise. Dorthin, wo am 16. April 1746 das Hochland und die schottische Kultur aufgehört haben, das zu sein, was sie bis dahin waren.

Nach wenigen Meilen komme ich an und stelle sogleich fest, dass das Schlachtfeld von Culloden Moor touristisch gut erschlossen ist. Nachdem ich mein Auto auf dem riesigen Parkplatz abgestellt habe, führt mich der Weg zunächst durch einen großen, flachen Bau, der sich jedoch gekonnt und unaufdringlich in die Landschaft einfügt. Er ist Besucherzentrum und Dokumentationsstätte dieser letzten offenen Schlacht auf britischem Boden. Inklusive Shop und Tea Room. Als ich mein Ticket kaufe, macht mich die freundliche Mitarbeiterin auf einen Videoraum aufmerksam, der sich ein wenig versteckt befinden soll. Ich stelle mir einen Dokumentarfilm vor und beschließe, ihn auf jeden Fall anzuschauen.

Die Ausstellung ist informativ und gut gemacht. Dann komme ich an die Tür, hinter der besagter Videoraum sein soll. Die meisten Besucher gehen daran vorbei. Doch ich öffne die Tür und sehe mitten im Raum einen Mann stehen. Immer wieder blickt er von einer Wand zur nächsten. Sie dienen alle gleichzeitig als Projektionsfläche. Als kurz darauf die ersten Szenen beginnen, begreife ich, dass ich mich mitten in der Schlacht befinde. Es ist Mittag am 16. April. 5000 Jakobiten in Hochlandtracht mit Gewehren, Breitschwertern und Rundschilden stehen unter dem Befehl von Charles Edward Stuart 8000 Infanteristen und 850 Kavalleristen sowie 20 Kanonen der Artillerie gegenüber. Die englische Armee unter Oberbefehl von Wilhelm August, Herzog von Cumberland, setzt sich vor allem aus englischen Soldaten, Söldnern, Hannoveranern, aber auch regierungstreuen Schotten zusammen. Und ein bisschen kann ich beim Anblick der angreifenden Highlander nachvollziehen, dass dieser Kampfstil von ihren Gegnern als anarchisch empfunden wurde.

Nun starten die Highlander ihren gefürchteten Sturmangriff. Sie können trotz großer Verluste durch das englische Artilleriefeuer noch die erste Linie der Gegner durchbrechen, erleiden jedoch durch die Gewehrsalven der dahinter stehenden Reihen sowie im Nahkampf der zahlenmäßig weit überlegenen englischen Truppen so schwere Verluste, dass sie den Rückzug antreten müssen. Dann greift die Kavallerie an. Über 1200 Jakobiten fallen, 300 englische Soldaten finden den Tod. Verwundete Krieger auf schottischer Seite lässt der Herzog von Cumberland erschießen. Er geht als ‚The Butcher‘ – der Schlächter – in die Geschichte ein.

„It’s over“, sagt der Mann plötzlich, der mit mir im Raum steht. Erschrocken sehe ich ihn an. Ja, es ist vorbei. Die Schlacht hat damals keine halbe Stunde gedauert und das Schicksal des Hochlands und seiner Traditionen mit Clan-System und schottisch-gälischer Kultur besiegelt. Symbole des schottischen Selbstbewusstseins, wie das Tragen von Tartan und Kilt, stand von nun an unter harter Strafe.

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Schweigend und bedrückt verlassen wir gemeinsam den Videoraum. In der Ausstellung gibt es noch einen Tisch, auf dem der Verlauf der Schlacht elektronisch dargestellt ist. Und es gibt Waffen von damals, Gewehre, die man anfassen kann. Ich habe keine Lust, sie zu berühren. Stattdessen gehe ich nun endlich hinaus auf das riesige, ehemalige Schlachtfeld.

Der Himmel zeigt sich launisch. Düstere Wolkengebilde wechseln sich mit Sonne ab. Weit über eine Stunde laufe ich über das Feld, vorbei an den roten Fahnen, die den Standort des englischen Heeres markieren, hin zu den blauen, den Fahnen der Jakobiten. Dann zur Quelle der Toten und zum mehr als 10 Meter hohen Gedenkturm  für die Gefallenen und den einfachen Gedenksteinen der einzelnen Clans. So viele Leichen haben hier gelegen und ihr Blut hat den Boden durchtränkt. Erst spät wurden sie von Menschen der nahen Orte bestattet, wie ich lese.

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Wie konnte es zu diesem grauenhaften Ereignis kommen, bei dem sich zwei entfernte Cousins, der Herzog von Cumberland und der Stuart-Prinz, beide erst um die 25 Jahre alt, gegenüberstanden? Schottland und England waren seit 1707 eine Union. Großbrittannien. In London regierte George II. aus dem Hause Hannover, während auf dem Festland die Stuarts nach der Vertreibung des katholischen Königs James II. im Jahr 1688 darauf sannen, mit dessen Enkel, Charles Edward Stuart,  den Thron von Schottland und England zurückzuerobern. Nachdem der Stuart-Prinz ein paar tausend Anhänger – vorwiegend aus dem Hochland – überzeugt hatte, mit ihm den Aufstand zu wagen, siegte er im September 1745 in der Schlacht bei Prestonpans in der Nähe von Edinburgh zunächst über die englischen Truppen. Am 8. November desselben Jahres überschritt er mit seiner inzwischen 5000 Mann zählenden Truppe sogar die englische Grenze. Sie gelangten bis Derby, 200 Kilometer vor London. Dort wurde jedoch der Rückzug auf Drängen des schottischen Oberbefehlshabers Lord George Murray und gegen den Willen des Prinzen beschlossen. Denn die Jakobiten waren durch zwei englische Armeen unter dem Kommando des Herzogs von Cumberland sowie unter General George Wade bedrängt worden. Zudem waren die Hochländer geschwächt, da sie keinen Sold erhielten und die versprochene Truppenverstärkung aus Frankreich ausblieb.

Dennoch siegten die Schotten im Januar noch einmal bei Falkirk. Doch die Truppe wurde kleiner, weil viele von Bonnie Prince Charlies Anhängern desertierten. Die Versorgung war schlecht und weitere Unterstützung noch immer nicht in Sicht. Schließlich kam es zur folgenschweren Entscheidung des schottischen Oberbefehlshabers, nach einem stundenlangen Nachtmarsch die englischen Truppen in ihrem Lager anzugreifen. Doch das englische Lager wurde erst zu spät aufgespürt und Oberbefehlshaber Murray forderte für die erschöpften Männer einen Rückzug. Bonnie Prince Charlie entschied jedoch, den Gegnern sofort in Culloden Moor zu begegnen.

Von keltischen Barden und schottischen Familienbanden

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Ist erst einmal die morgendliche Dreiviertelstunde Fahrt von meinem Hotel bis zur Hauptstraße geschafft, werden die Straßen in Richtung Grampian Mountains auch schon breiter. Dafür sind sie hier auch stärker genutzt. Sowohl von Autofahrern als von Schafen. Und natürlich von Zweiradfahrern, die sich den Hochlandwind um die Nase wehen lassen. Würde mir auch gefallen.

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Dem Erfinder von Ossian auf der  Spur

Mein heutiger Weg führt mich noch einmal nach Newtonmore in den Grampian Mountains. Außer dem Highland Folk Museum gibt es dort nämlich ein zweites Museum, auf das ich gespannt bin. Das Clan Macpherson Museum. Vor einigen Tagen habe ich gelesen, dass der schottische Schriftsteller und Politiker James Macpherson (1736 – 1796)  ganz in der Nähe, nämlich in Ruthven, gelebt haben soll. Auf Ruthven bin ich durch die eindrucksvolle Ruine gleichen Namens gestoßen. Auf James Macpherson und die Fragments of Ancient Poetry (1760) hingegen wurde ich bereits vor vielen Jahren beim Thema englische (beziehungsweise schottische) Romantik aufmerksam.20160715_145937 - Kopie

Schon während seines Studiums in Aberdeen und Edinburgh schrieb der junge Macpherson Gedichte. Große Bekanntheit erlangte er jedoch erst durch die angebliche Entdeckung der Werke des keltischen Barden Ossian. Dieser erzählt in seinen Gedichten von den Heldentaten und dem Untergang seines Volkes, dessen letzter Überlebender er ist. Ein blinder Weiser, der bisweilen auch als nordischer Homer bezeichnet wird.

Die Ossianischen Gesänge erschienen während der Frühphase der Romantik. Es war eine Zeit der Hinwendung zum Norden und einer verklärten und verklärenden Sicht auf dessen Geschichte. Bisweilen wurde diese nachträglich ‚passend‘ gemacht oder einfach neu erfunden. Wie im Fall Ossian. Oder besser gesagt, im Fall des James Macpherson. Denn er war der eigentliche Urheber der angeblich im Hochland zusammengetragenen Schriften. Der ersten folgten sogar weitere Veröffentlichungen vermeintlich uralter Verskunst: Fingal, an Ancient Epic Poem in Six Books (1761), Temora (1763) sowie The Works of Ossian (1765). Und die Werke wurden auch noch in andere Sprachen übersetzt. Ein Teil der europäischen Welt jubelte. Musste man jetzt nicht mehr ausschließlich aus den kulturellen Quellen der Antike schöpfen, sondern konnte endlich auch auf ‚eigene‘ Wurzeln zurückgreifen. Damit war Ossian aus der englischen Romantik nicht mehr wegzudenken und frühe Zweifler an der Echtheit der Werke fanden kein Gehör.

Erst Jahre später wurden die Ossianischen Gesänge öffentlich als Fälschungen entlarvt. James Macpherson indessen wurde Mitglied des britischen Parlaments und blieb es bis zu seinem Tode.

Ossian ist doch keine Erfindung

… dachte ich, als ich das Clan Macpherson Museum in Newtonmore betrete und herzlich von einem langgelockten Mann im Kilt begrüßt werde. Und während ich mich frage, ob er vielleicht ein Nachfahre des legendären Barden Ossian sei, überrascht er mich gleich noch einmal. Diesmal mit der Frage, ob ich eine Macpherson sei. Nachdem ich lachend verneint habe, erzählt er mir, dass hierher Macphersons aus der ganzen Welt kämen, um ihre schottischen Wurzeln aufzuspüren. Das gefällt mir und fast bedaure ich, keine Macpherson zu sein.

Als ich ihn nach James, dem Ossian-Erfinder, frage, lacht er diesmal und deutet auf den hinteren Teil der Ausstellung. Dort sei Ossian und seinem Verfasser sogar ein ganzes Kapitel gewidmet. Ich werde neugierig. Bevor ich mich jedoch auf den Weg durch die Ausstellung mache, nehme ich das Angebot des Mannes im Kilt an und schaue mir zuerst ein zehnminütiges Video über den Macpherson-Clan an. Und wieder denke ich, dass es vielleicht schön wäre, selbst zu einem solchen Clan zu gehören.

Ich bleibe lange in der Ausstellung. Sie erzählt die Geschichte des Clans von frühestem Beginn an. Genauer beginne ich zu lesen, als ich bei den Jakobiten-Aufständen ankomme. Das Hochland war damals zerrissen zwischen der Regierungs-Gefolgschaft und der Unterstützung des Stuart-Prinzen. Die Entscheidung für die eine oder die andere Seite war komplizierter als es manche Beschreibungen glauben machen wollen. Und es war längst kein Konflikt England gegen die Highland-Clans. Oft stand ein Clan nicht geschlossen für die eine oder andere Sache. Sogar Eheleute kämpften bisweilen auf verschiedenen politischen Seiten. Doch das ist ein anderes Kapitel. Langsam folge ich der weiteren Ausstellung und stehe bald vor heraldischen Zeugnissen, Wappen und den typischen Attributen des Highland Dresses, bis mich schließlich ein sehr ernstes Kapitel zum Ersten und Zweiten Weltkrieg  wieder zum längeren Verweilen bringt.

Die wenigen anderen Besucher haben mich längst überholt. Nicht, dass ich die Texte Wort für Wort lese. Es sind zu viele, um sich deren Inhalte zu merken. Aber ich betrachte eingehend die Exponate, Zeugnisse einer langen Familientradition und eines starken Gefühls der Verbundenheit. Der letzte Ausstellungsteil ist Clan-Mitgliedern gewidmet, die öffentliche Positionen inne hatten oder haben. Viele Politiker sind dabei, aber auch bedeutende Wissenschaftler und Künstler. Und dann entdecke ich noch das Model Elle Macpherson. Na klar, sie heißt ja auch so.

Bevor ich das Museum verlasse, komme ich noch einmal mit dem netten Mann ins Gespräch. Natürlich ist auch er ein Macpherson. Dieses Museum ist klein, aber es ist mit Herzblut gestaltet. Bei meinem nächsten Besuch in den Grampian Mountains komme ich wieder hierhin. Und wer weiß, vielleicht behaupte ich dann einfach, eine Macpherson zu sein. Das passende Clan-Abzeichen und eine DVD mit der ausführlichen Geschichte der Macphersons kaufe ich mir jedenfalls im kleinen Museumshop. Und als ich endlich gehen will, fällt mein Blick noch auf eine CD. Darauf ist ein keltischer Steinkreis zu sehen. Trees and Stones heißt sie. Die Lieder besingen – den Titeln nach zu schließen – die alten Zeiten und die Natur. Als ich die Rückseite betrachte, fällt mir fast die Kinnlade herunter. Interpret und Komponist ist der Museumsmann.

Ich hatte also Recht. Er ist wirklich ein Nachfahre des keltischen Barden Ossian …

Wo Rauch ist …

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… gibt’s natürlich auch Feuer. Und an diesem etwas kühleren Tag in den Grampian Mountains der schottischen Highlands kommt mir das gerade recht, um ein paar Minuten zu verweilen und mich umzuschauen. Sobald sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Dieses Haus hat nämlich keine Fenster, sondern – abgesehen vom Eingang – nur mit Erde verfüllte Wände aus Trockensteinmauern. Ich befinde mich in einem Blackhouse der Siedlung Baile Gean aus dem 18. Jahrhundert. Und dieses Haus wurde zusammen mit sechs weiteren Blackhouses aus der ursprünglichen Siedlung Badenoch aus einem Tal des Flusses Spey hier im Highland Folk Museum in Newtonmore rekonstruiert.

Das Freilichtmuseum geht auf die Edinburgherin Isabel Frances Grant zurück, die bereits 1935 begann, Einrichtungen aus alten schottischen Häusern zu sammeln, um diese für die Nachwelt zu erhalten. Mit dem Highland Folk Museum ist inzwischen ein eindrucksvolles Areal entstanden, das Wohn- und Arbeitsbedingungen in den Highlands von der frühen Neuzeit bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg präsentiert. Manche Gebäude sind sogar Originale, die hierhin transportiert und wieder aufgebaut wurden.

Es gibt einen Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert, ein Dorf aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts mit Kirche, Handwerkerhäusern von Schneider, Uhrmacher und Schreiner, einer Post und kleinem Laden. Und einer Schule. Da sich gerade ein heftiger Regenschauer ankündigt, suche ich hier Unterschlupf. Und komme vom Regen in die Traufe. Zumindest bildlich betrachtet. Ich gerate nämlich mitten in eine Schulstunde, bekomme gleich an der Tür ein Blatt mit Schreibfeder ausgehändigt und werde gebeten, nein, aufgefordert, auf einer der alten Schulbänke Platz zu nehmen und einen Test mitzuschreiben. Leider sind die Tintenfässchen vorn im Pult tatsächlich gefüllt und es gibt keine Ausrede. Während ich fleißig vor mich hinschreibe, erklärt ‚unser Lehrer‘ uns den Schulalltag in den Dreißigern. Als er uns den Lederriemen und dessen häufigen Einsatz bis weit in die Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts einprägsam beschreibt, kratze ich direkt ein bisschen schneller mit der Feder über das Blatt. Nach einer Dreiviertelstunde verlasse ich den Klassenraum um einiges klüger, was den harten und langen Tag eines Highland-Schülers der 1930er Jahre betrifft. Für meinen Test bekomme ich übrigens – entsprechend des britischen Schulsystems – eine 9 bis 10. Ich überlege ernsthaft, mir das Blatt einzurahmen.

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Doch zurück ins Blackhouse: In der Mitte des Raums brennt das traditionelle Torffeuer, darüber ist im Reetdach ein Loch zum Abzug des Rauches. Der frisst sich trotzdem sekundenschnell in meine Nase, Haare und Kleidung. Dabei ist das hier noch die angenehme Variante. Auf der Isle of Harris hatten die Blackhouses keinen Abzug über der permanent brennenden Feuerstelle. Und wenn die Luft im gesamten Haus vom Rauch gesättigt war, bahnte dieser sich seinen Weg durch das geschlossene Reetdach. Aus dem Dach dieses Blackhouses steigen ebenfalls Qualmwolken auf und vermitteln von Weitem erst einmal den Eindruck, das ganze Haus gehe gleich in Flammen auf.

Ich werfe einen letzten Blick auf die karge Einrichtung aus Bett, Stühlen und Kochstelle, gehe noch einmal zu dem Teil des Raums, in dem das Vieh untergebracht war, und verlasse das Blackhouse. Vor der Tür stehen fünf Frauen in fröhlicher Runde. Zwei von ihnen tragen zeitgenössische Kleidung aus dem 17. Jahrhundert, die anderen drei sind Besucherinnen. Ich geselle mich zu ihnen und erfahre, dass die Touristinnen aus England, Irland und den USA kommen. Die Unterhaltung dauert an und wir lachen viel. Wahrscheinlich haben auch die anderen drei Besucherinnen zuvor die Schulbank gedrückt und ihre Ausgelassenheit ist einfach Ausdruck der Erleichterung, dem strengen Lehrer wieder entkommen zu sein.

Da guckte die Queen

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Auf der M 90 geht es nun nach Norden. Vorbei an Perth und weiter nach Pitlochry. Kurz dahinter beginnen schon die Grampian Mountains. Doch ich mache erst einmal Halt in dem malerischen Ort.

Ceud mile fàilte

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‚100.000 Willkommen‘ heißt der gälische Gruß am Ortseingang von Pitlochry. Die knapp 3000 Einwohner zählende Stadt am Fluss Tummel lädt zu einem kleinen Bummel durch die reich mit Blumen geschmückten Straßen ein. Entstanden sein soll sie, 20160713_172503 - Kopienachdem ein britischer General 1725 eine Straße an dieser Stelle bauen ließ. Ziel war, nach den Jakobiten-Aufständen 1715 die bisher 20160713_171847 - Kopieschwierig erreichbaren ländlichen Regionen in den Highlands zugänglich zu machen. Mehr als hundert Jahre später lenkte Queen Victoria (1819-1901) mit ihrem Besuch das Interesse der Öffentlichkeit auf Pitlochry. Dieses ist heute vor allem für seine 311 Meter lange Lachsleiter bekannt.

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Beliebt bei Königinnen

Nur wenige Meilen entfernt gibt es noch einen Ort, dem der Besuch Queen Victorias Berühmtheit gebracht hat. Der sogenannte Queen’s View. Auf dem Weg zu meinem Hotel biege ich hinter Pitlochry nach Westen ab. Die Straße ist sehr eng und ausgesprochen kurvenreich. Zudem ist sie so schmal, dass nur ein Auto darauf zu passen scheint. Schon nach kurzer Zeit werde ich eines Besseren belehrt. Als ich schließlich an einem Schild vorbeifahre, das auf den Queen’s View aufmerksam macht, wundere ich mich nicht länger über den regen Verkehr und entscheide mich ebenfalls spontan für einen Zwischenstopp. Dafür werde ich mit einem herrlichen Blick  auf Loch Tummel und die bewaldeten Hügel ringsum belohnt. Ganz im Hintergrund ragen sogar die schroffen Bergen des Glen Coe auf.

Die Bilder von Queen Victoria in und um das neue Besucherzentrum vermitteln den Eindruck, der Name der Plattform mit dem wunderbaren Ausblick rühre von dieser Queen her. Doch der Queen’s View trug seinen Namen schon vor Queen Victorias Besuch und soll sich auf die Ehefrau des Schottenkönigs Robert the Bruce (1274-1329) beziehen. Diese war – nur zeitversetzt um ein paar Jahrhunderte – ebenfalls hier.

Noch ein Traumblick für süße Träume

20160713_111148 - KopieNach einer Dreiviertelstunde kurvenreicher Fahrt durch die schottische Einsamkeit erreiche ich schließlich Kinloch Rannoch, meine nächste Station für eine ganze Woche. Es ist ein hübscher, sehr kleiner Ort umgeben von Bergen. Mein Hotel liegt direkt am See Rannoch. Und der Parkplatz, auf 20160712_181947 - Kopiedem sogar ein Wagen mit der Emily als Kühlerfigur steht (mutig, angesichts der engen Straße), lässt darauf schließen, dass es hier gar nicht so einsam ist. In der Lobby empfängt mich ein harmonisches Miteinander unterschiedlichster Karos: Auf dem Boden, den Kissen, Sofas, Sesseln und Stühlen. Nach einer fröhlichen und ausführlichen Begrüßung durch die freundliche Mitarbeiterin an der Rezeption mache ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Und kann – dort angekommen – mein Glück kaum fassen angesichts dieses Ausblicks auf den See. Sogar ein Stück des Bergs Schiehallion ist im ‚Bild‘. Der weite Weg hat sich gelohnt!

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Jetzt geht’s in die Highlands

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Copyright: Fotolia – Louise McGilviray

Doch vorher geht es erst einmal über den Firth of Forth, die Mündung des Flusses Forth, mit der berühmten Forth Bridge. Die zweigleisige Eisenbahnbrücke wurde 1890 eröffnet und ist als Brücke mit der ehemals weltweit größten Spannweite längst zu einem Wahrzeichen Schottlands geworden.

Ich überquere den Firth of Forth natürlich über die Forth Road Bridge, eine vierspurige und sehr eindrucksvolle Hängebrücke, die 1964 für den Autoverkehr freigegeben wurde. Und während ich über die breite Flussmündung fahre, die ein Drittel des Landes vom größeren Teil Schottlands mit den berühmten Highlands trennt, fühle ich mich auch brückentechnisch zwischen der Vergangenheit und der Zukunft schwebend. Denn links von der Forth Road Bridge entsteht gerade die Queensferry Crossing, eine Schrägseilbrücke, die schon bald für den Verkehr geöffnet werden soll. Doch im Moment ist Queensferry Crossing noch keine zusammenhängende Brücke. Die drei riesigen Pfeiler stehen als ausladende, gigantische Elemente unverbunden hintereinander. Ein sehr eindrucksvoller Anblick. Schade, dass ich nicht mitten auf ‚meiner‘ Brücke anhalten und eine Weile nur betrachten kann. Könnte nicht ein klitzekleiner Stau ein bisschen Aufschub an diesem schönen Ort des Übergangs bringen? Natürlich nicht, panta rei …

The new Forth Bridge: Queensferry, Edinburgh, Scotland

Copyright: Fotolia – douglasmack

 

 

(M)eine schottische Romanze – Abbotsford House

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Als ich Abbotsford House in der Nähe von Melrose zum ersten Mal besuchte, war ich siebzehn Jahre alt. Das ist eine ganze Weile her. Doch diese erste Begegnung hat meine Begeisterung für Schottland geprägt. Es war genau dort, als der Funke übersprang, und ich zum Schottland-Fan wurde. Nicht, dass ich die „Romanze in Stein und Mörtel“, wie sein Erbauer, Sir Walter Scott (1771-1832), seinen schlossähnlichen Landsitz nannte, schöner fände, als manch anderes schottisches Herrenhaus. Im Gegenteil. Das lange Gebäude mit 20160708_134711 - Kopieseinen vielen Kaminen, Zinnen und kleinen Türmen ist eine gewagte Mischung unterschiedlichster Quellen und ‚Zitate‘ historischer Bauwerke. So soll der Eingang dem Hauptportal von Linlithgow Palace nachgebildet sein, während die Mauer im Hof wie der Kreuzgang von Melrose Abbey gestaltet sei. Und drinnen geht es ebenso vielfältig weiter. Denn der schottische Dichter und Schriftsteller war ein begeisterter Sammler. Beispielsweise von Waffen und Kuriositäten, die die Räume und Wände von Abbotsford House füllen. Stil findet man hier zunächst nicht. Zumindest keinen einheitlichen.

Ein Jurist wird Romantiker

Walter Scott hat in Edinburgh Rechtswissenschaften studiert, wurde anschließend Sheriff von Selkirk und später Richter. Die Literatur hat ihn jedoch schon immer fasziniert und er übersetzte noch während des Studiums Werke bekannter Schriftsteller, darunter auch von Goethe. Als er selbst zu schreiben begann, waren es zunächst epische Romanzen. Aus seiner Feder stammen Werke wie Marmion (1808) oder The Lady of the Lake (1810). 1814 folgte – zunächst anonym – sein erster Waverley-Roman. Damit begründete Scott das Genre des historischen Romans. Dem ersten folgten noch 25 weitere und Sir Walter Scott wurde zum Bestseller-Autor. Rob Roy und Ivanhoe sind ebenfalls schottische Helden, die er zu neuem Leben erweckte und damit einen entscheidenden Anteil an der aufkeimenden Schottlandromantik hatte. Und diese ging schon damals weit über die Landesgrenzen hinaus.

Wieder tragbar: Tartan und Kilt

Eigentlich heißt Scotts erster Waverley-Roman in Übersetzung: Waverley  oder s‘ ist sechzig Jahre her. Mit dem Zusatz ist der Jakobiten-Aufstand gegen die englischen Regierungstruppen gemeint, die mit Charles Edward Stuart – genannt Bonnie Prince Charlie – die Stuarts zurück auf den schottischen und englischen Thron bringen wollten. Der Aufstand endete mit der vernichtenden Niederlage der Clans in der Schlacht von Culloden im Jahre 1746. Natürlich wird im Roman Waverley der Aufstand der Clans ‚offiziell‘ verurteilt und der junge, unerfahrene und in seinen politischen Überzeugungen noch schwankende Held findet gerade noch rechtzeitig den Absprung zur politisch korrekten Seite. Zugleich gelingt es dem Autor aber, den Schotten ihren Stolz zurückzugeben, indem er Geschichte und Tradition der schottischen Clans erzählt und bei seinen Lesern eine romantische Sehnsucht nach den ‚alten Zeiten‘ hervorruft. Eine subtile Form politischen Handelns. Einen großen Schritt weiter geht der zu diesem Zeitpunkt schon geadelte Sir Walter Scott, als er im Jahre 1822 in der Funktion eines Zeremonienmeisters für den Besuch George IV. in Edinburgh – es war der erste Besuch eines englischen Königs in Edinburgh seit 200 Jahren – den royalen Gast in Highland-Outfit mit Kilt in Szene setzt. Seit Culloden war das Tragen von Clan-Attributen wie Tartan und Kilt bei strengster Strafe verboten. Der Auftritt des englischen Königs George IV. in Hochlandtracht machte den Schottenrock nicht nur wieder salonfähig, sondern löste einen wahren Karo- und Kilt-Boom aus, der bis zum heutigen Tage anhält und mit immer neuen Highland-Bestseller-Romanen und -Filmen weiter befeuert wird.

Den Roman Waverley habe ich – angestoßen durch ein Seminar zur englischen (und schottischen) Romantik – ein paar Jahre nach meinem ersten Besuch in Abbotsford House gelesen. Ich gebe zu, das Buch ist ziemlich dick. Doch die Geschichte hat in mir den Wunsch geweckt, endlich einmal nach Culloden zu fahren. Bei meinen bisherigen Schottlandreisen habe ich jedoch keinen meiner Mitreisenden davon überzeugen können. Doch diesmal bin ich ja allein unterwegs.

Romantik bis zum Schluss …

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Dass der Rechtsgelehrte Sir Walter Scott durch und durch ein Romantiker war, zeigt auch seine Grabstätte, die er selbst ausgewählt hat. Es ist die Abteiruine Dryburgh, für deren Erhalt er sich zu Lebzeiten intensiv eingesetzt hat. Dort wurde er 1832 beigesetzt. Bei der Fahrt dorthin soll das Pferd, das die Kutsche mit seinem Sarg zog, noch einmal am nahe gelegenen Scott’s View ohne Anweisung des Kutschers stehen geblieben sein. Der Erzählung nach hat hier Sir Walter Scott immer eine kleine Pause eingelegt, um den traumhaft schönen Blick in die sanfte Hügellandschaft zu genießen.

… und ein wenig Gemecker

20160708_123533 - KopieDoch noch ein letztes Mal zurück zum Haus von Sir Walter Scott. Einer der berühmtesten Kritiker der Stilmischungen an und in Abbotsford House ist Theodor Fontane. In seinem Werk Jenseits des Tweeds lässt er sich ausgiebig darüber aus, wie ich amüsiert gelesen habe. Fontanes Urteil ist jedoch so bissig, dass ich es hier nicht wiedergeben möchte. Denn Abbotsford House ist etwas Besonderes für mich. Vor allem die mit vielen Erstausgaben reich bestückte Bibliothek mit dem schönen Blick hinunter zum Fluss Tweed. Ich bin erleichtert, dass wenigstens im Haus und in den prächtigen Gartenanlagen rundherum noch fast alles so ist, wie ich es in Erinnerung habe. Denn das gilt beileibe nicht für den Teil jenseits von Hof und Haus. Seit 2013 gibt es hier ein sehr großes – zugegeben – dezent gestaltetes Besucherzentrum. Dort bekommt man nicht nur die Eintrittskarten, sondern auch allerlei Schönes aus Tweed und anderen Materialien mit viel Karo und Co. Und eine Etage höher – mit Blick hinüber zu Abbotsford House – befindet sich ein stylishes Restaurant, in dem ich Scones mit Clotted Cream und Erbeermarmelade von quadratisch-schickem Geschirr gegessen und Tee getrunken habe, nachdem ich zuvor (Please wait to be seated!) an einen Tisch komplimentiert worden war. Das Ambiente ist wirklich schön, keine Frage, und Scones und Tee waren köstlich. Dennoch habe ich ein bisschen wehmütig an den kleinen Tea Room mit Selbstbedienung, einfachen Stühlen und Tischen und einem sehr begrenzten Angebot an Speisen und Getränken gedacht,  der sich nahe an Abbotsford House befand und in dem ich früher immer eingekehrt bin. Na bitte, nun blicke auch ich sehnsüchtig in die Vergangenheit. Wenn das nicht Romantik pur ist …

It’s Tea Time

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Der erste Morgen in Schottland! Entgegen meiner üblichen Trödelei bin ich schon um neun Uhr auf der Straße. Eigentlich habe ich einen Plan für den heutigen Tag, doch den verwerfe ich kurzerhand und fahre hinter Peebles einfach der Nase nach über die sich schlängelnden Straßen durch eine traumhaft schöne Landschaft.20160710_165018 Ich gebe zu, jetzt wäre ich lieber Beifahrerin und bräuchte nicht ständig auf die Straßen zu schauen. Waren die sonst auch schon so schmal? Egal, ich muss sie nehmen, wie sie sind.

Nur wenige Meilen weiter südlich von Peebles entdecke ich eine kleine Ruine auf einer grünen Anhöhe. Zwar kann das Gemäuer nicht mit dem Eilean Donan Castle in den westlichen schottischen Highlands mithalten und hat sicher noch nie als Filmkulisse gedient, aber auch diese kleine Ruine ist Romantik pur. Ich beschließe, auf dem Nachhauseweg hier zu halten und zu den alten Mauern hinaufzusteigen. Doch erst einmal setze ich meine Fahrt fort. Nach ein paar weiteren Meilen wage ich einen Abstecher auf eine noch schmalere Straße, die nach Innerleithen führt. Die Hügel sehen auf dieser Seite besonders malerisch aus. Schließlich muss ich den Linksverkehr auf allen Straßen üben. Meine Entscheidung wird mit fantastischen Ausblicken belohnt. Damit ich diese auch genießen kann, halte ich in einer der kleinen Buchten neben der Fahrbahn. Schade, dass sich der Himmel gerade in eine dicke Wolkendecke hüllt, sonst würde ich richtig viele Fotos machen. Doch die ersten Ergebnisse geben das, was ich sehe, nur unzureichend und flach wider, darum packe ich den Fotoapparat wieder fort und nehme nur die schöne Landschaft in mich auf. 20160710_121113Bis mein Blick auf ein kleines Holzhaus fällt, das etwas entfernt steht und an einen Western-Saloon erinnert. Wenn das nicht … Und wirklich, ich habe Glück! Es ist einer der vielen Tea Rooms (auch wenn sich dieser als Coffee House ausgibt), die überall in Schottland – ob in der Einsamkeit oder an belebten Orten – zu einer kurzen Pause einladen. Und sie kommen sehr unterschiedlich daher, mal mit dem rauen Charme der Wildnis, mal fein herausgeputzt mit Spitzenschmuck und ganz viel Deko, bei der man sich in eine Art Märchenland versetzt fühlt. Und manchmal sind sie sogar mitten in Verkaufsräumen. Bisweilen gehen die Erlöse aus den Tea Rooms auch an ein soziales Projekt. Doch gleichgültig, ob die Mitarbeiter ehrenamtlich hier arbeiten oder damit ihren Lebensunterhalt verdienen, man spürt, dass Gäste herzlich willkommen sind. Ich mag die Tea Rooms sehr. 20160710_120232Zumindest für die Dauer einer Kanne Regular Tea, womit der Frühstückstee gemeint ist, zumeist ein Verschnitt verschiedener Schwarzteesorten, in denen der Assam jedoch den Ton, beziehungsweise die Farbe angibt. Und weil die Teebeutel in der Kanne verbleiben und von Tasse zu Tasse das Getränk kräftiger und dunkler machen, gibt’s mancherorts noch ein Kännchen heißes Wasser zum Verdünnen dazu. Meiner Erfahrung nach vor allem in den Highlands und auf den Hebriden.

Dass es noch nicht einmal zehn Uhr ist und mein dreigängiges Frühstück bestehend aus Toast mit Butter und Marmelade, Bohnen, Black Pudding, gegrillten Tomaten, Pilzen, Schinken, Rührei, Kartoffelpuffern und einem Obstsalat als Nachtisch noch immer meinen Magen füllt, hält mich nicht von einer Pause ab. Doch ich verzichte diesmal auf Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade und beschränke mich auf den Tee.

20160711_11542020160711_111055Bei den Tea Rooms kommt mir übrigens immer The Oven Door in Peebles in den Sinn. Der kleine Raum ist meistens gut besucht. Ich kenne ihn seit vielen Jahren und freue mich immer schon auf den leckeren Kuchen, der hier auf buntem Geschirr serviert wird. Natürlich war das mein erster Weg nach meiner gestrigen Ankunft …

SOME LIKE IT SCOT

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Zugegeben, der Titel ist nicht von mir. Die witzige Abwandlung des 1959 entstandenen Billy-Wilder-Klassikers Some like it hot habe ich zuletzt auf einem Plakat mit dem schönen Konterfei eines aktuellen Highland-Filmhelden gelesen. Also nicht ganz neu, aber passend. Zumindest für mich, denn vor mir liegen gut zwei Wochen Schottland. Mit dem Mietwagen, wie üblich. Zuerst stehen die Lowlands auf dem Programm. Diese scheinen manchmal hinter den vermeintlich spannenderen Highlands zu verschwinden. Doch ich finde das Grenzgebiet zwischen England und Schottland mit den sanften grünen Hügeln, den malerischen Küstenregionen an Ost- und Westseite des Landes und den vielen architektonischen und sonstigen Zeugnissen einer überaus lebhaften und wechselvollen Vergangenheit genauso spannend, wie den größeren Landesteil jenseits der Forth Bridge.

Kaum ist mein Flugzeug in Edinburgh gelandet – von Düsseldorf aus dauert der Flug nur knapp eineinhalb Stunden – finde ich mich auch schon mit Koffer und Rucksack am Schalter meines Autovermieters ein. Mein Mann, der nicht mitreisen konnte, hat mich von einem etwas größeren Modell überzeugt, damit ich im Linksverkehr gut geschützt sei. Darum sitze ich nun allein in einem Auto, in dem noch Platz für mindestens vier Mitfahrer und deren Gepäck wäre. Leider ist durch den breiteren Wagen auch der Abstand zu parallel zur Fahrbahn parkenden Autos kleiner geworden. Ein Punkt, an den ich mich beim Fahren im Linksverkehr ohnehin immer gewöhnen muss, egal, wie groß oder klein das Auto ist. Prima hingegen finde ich die vielen Roundabouts, die auf der britischen Insel die Kreuzungen weitgehend ersetzen.

Mein erstes Hotel ist in der Nähe von Peebles. Die schöne Kleinstadt wiederum liegt gut 20 Meilen südlich von Edinburgh in den Scottish Borders. Ich kenne Peebles schon von früheren Besuchen und genau darum zieht es mich immer wieder hierhin. Denn die Stadt hat durch ihre architektonischen Sehenswürdigkeiten, wie die Old Parish Church mit Kronenturm, dem Neidpath Castle, dem Fluss Tweed, schönen Geschäften, Gässchen und Museen sowie einer Kunsthandwerker-Szene einiges zu bieten. Mit verschiedenen20160711_114821 Festivals rund um die Themen Jazz und Kunst weiß die Stadt außerdem zu feiern. Am bekanntesten ist wohl das Beltane-Festival zum Sommerbeginn, das in der 3. Juniwoche stattfindet und seine Wurzeln in der keltischen Mythologie und Religion hat. Vielleicht sollte ich für nächstes Jahr schon einmal für diesen Zeitraum buchen.

1152 hat König David I. von Schottland Peebles den Rang einer Royal Burgh verliehen. Und aus dieser Zeit gibt es sogar noch den Turm der St Andrews Kirche, während das auf der Hauptstraße stehende Mercat Kreuz Peebles als alte Marktstadt ausweist. 20160707_214300Apropos Kirche, auf einem Straßenschild lese ich Cross Kirk. Scots, eine westgermanische Sprache, die in den schottischen Lowlands, den Southern Uplands und in den Regionen um Glasgow und Edinburgh gesprochen wird, – nicht jedoch im ‚gälischen Schottland‘ der Highlands und Hebriden-Inseln – hört man hier nicht nur in der Aussprache, sondern findet es auch in der Schriftsprache – wie hier Blau auf Weiß. Scots ist übrigens nicht mit dem schottischen Englisch gleichzusetzen, der heutigen Amts- und Bildungssprache in Schottland, sondern eine eigene Sprache.

20160711_111521Mein erster Besuch in Peebles liegt inzwischen elf Jahre zurück. Damals erschien mir ein Ausflug in den gut 8.500 Einwohner zählenden Ort wie eine Fahrt in die große Stadt. Gemeinsam mit vier Bekannten genoss ich damals umgebende Natur und Einsamkeit in einem wunderschönen Ferienhaus in Drumelzier, einem Örtchen, das ebenfalls im Tal des Flusses Tweed und nur wenige Meilen von Peebles entfernt liegt. Direkt neben dem Haus plätscherte ein kleiner Bach und gleich dahinter stieg ein grüner Hügel an.20160712_104734 - Kopie

20160708_201132Doch als Alleinreisende ziehe ich diesmal die Geselligkeit in einem Hotel vor. Mit dem Mercure Peebles Baronet Castle Hotel habe ich Glück. Es sieht nicht nur von außen schön aus, es ist auch von innen ein Ort, an dem ich die nächsten fünf Tage verbringen will. Denn so lange werde ich mich in den Scottish Borders aufhalten, bevor es weitergeht in die Highlands. Nach einem ausgiebigen Abendessen im Hotelrestaurant mache ich mich auf den langen  Weg durch viele enge Flure zurück in mein Zimmer. Die Böden und sogar die Treppen sind hier mit großkarierten Teppichen belegt. Und dann glaube ich einen Moment lang tatsächlich zu träumen. In einem der Flure kommt mir ein festlich gekleideter und sehr attraktiver Mann mit schwarzen Haaren, Bart, Jackett, Weste, Hemd und Schlips entgegen. Ich wage einen Blick auf den unteren Teil seiner Bekleidung, der aus einem grün-blau-karierten Kilt und farblich passenden Strümpfen, einem Sporran (Geldtasche), einem Gürtel mit auffallender Schnalle sowie dem Sgian Dubhs (Messer) im Strumpf besteht. Abgerundet wird die Bekleidung von den passenden Ghillies Brogues (Schuhen) mit den besonderen Lochmustern und den mehrfach um die Fesseln geschlungenen Schnüren. Bei diesem Anblick verschlägt  es mir erst einmal die Sprache. Zum Glück ergreift der Mann das Wort und wir tauschen schließlich ein paar Höflichkeiten aus, während wir uns in dem zugegeben sehr engen Gang aneinander vorbei bewegen. Dabei stelle ich fest, dass der Mann sogar ein wunderschönes Lachen hat. Wird hier vielleicht ein Film gedreht und ich stehe gerade vor dem Helden der Geschichte? Einen Moment lang liegt mir tatsächlich die Frage auf der Zunge, ob ich vielleicht ein Foto von ihm … mein Handy wäre griffbereit. Doch dann sind wir zum Glück schon aneinander vorbei und ich habe mir diese Peinlichkeit erspart.

20160710_152937 - KopieGanz beschwingt erreiche ich mein Zimmer im dritten Stock, wo ich mich wie das Burgfräulein persönlich fühle und einen schönen Blick in den Schlossgarten habe. Und siehe da, das Rätsel löst sich. Dort unten versammeln sich gerade Gäste einer Hochzeitsfeier. Auch mein Held aus dem Gang trifft in diesem Moment ein. Und er ist nicht allein, denn als ich nun den Blick über die fröhliche Gesellschaft schweifen lasse, erkenne ich, dass mindestens ein Drittel der anwesenden Herren Kilt trägt. Ich bin wirklich wieder in Schottland …