Wo Rauch ist …

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… gibt’s natürlich auch Feuer. Und an diesem etwas kühleren Tag in den Grampian Mountains der schottischen Highlands kommt mir das gerade recht, um ein paar Minuten zu verweilen und mich umzuschauen. Sobald sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Dieses Haus hat nämlich keine Fenster, sondern – abgesehen vom Eingang – nur mit Erde verfüllte Wände aus Trockensteinmauern. Ich befinde mich in einem Blackhouse der Siedlung Baile Gean aus dem 18. Jahrhundert. Und dieses Haus wurde zusammen mit sechs weiteren Blackhouses aus der ursprünglichen Siedlung Badenoch aus einem Tal des Flusses Spey hier im Highland Folk Museum in Newtonmore rekonstruiert.

Das Freilichtmuseum geht auf die Edinburgherin Isabel Frances Grant zurück, die bereits 1935 begann, Einrichtungen aus alten schottischen Häusern zu sammeln, um diese für die Nachwelt zu erhalten. Mit dem Highland Folk Museum ist inzwischen ein eindrucksvolles Areal entstanden, das Wohn- und Arbeitsbedingungen in den Highlands von der frühen Neuzeit bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg präsentiert. Manche Gebäude sind sogar Originale, die hierhin transportiert und wieder aufgebaut wurden.

Es gibt einen Bauernhof aus dem 19. Jahrhundert, ein Dorf aus den Dreißigern des letzten Jahrhunderts mit Kirche, Handwerkerhäusern von Schneider, Uhrmacher und Schreiner, einer Post und kleinem Laden. Und einer Schule. Da sich gerade ein heftiger Regenschauer ankündigt, suche ich hier Unterschlupf. Und komme vom Regen in die Traufe. Zumindest bildlich betrachtet. Ich gerate nämlich mitten in eine Schulstunde, bekomme gleich an der Tür ein Blatt mit Schreibfeder ausgehändigt und werde gebeten, nein, aufgefordert, auf einer der alten Schulbänke Platz zu nehmen und einen Test mitzuschreiben. Leider sind die Tintenfässchen vorn im Pult tatsächlich gefüllt und es gibt keine Ausrede. Während ich fleißig vor mich hinschreibe, erklärt ‚unser Lehrer‘ uns den Schulalltag in den Dreißigern. Als er uns den Lederriemen und dessen häufigen Einsatz bis weit in die Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts einprägsam beschreibt, kratze ich direkt ein bisschen schneller mit der Feder über das Blatt. Nach einer Dreiviertelstunde verlasse ich den Klassenraum um einiges klüger, was den harten und langen Tag eines Highland-Schülers der 1930er Jahre betrifft. Für meinen Test bekomme ich übrigens – entsprechend des britischen Schulsystems – eine 9 bis 10. Ich überlege ernsthaft, mir das Blatt einzurahmen.

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Doch zurück ins Blackhouse: In der Mitte des Raums brennt das traditionelle Torffeuer, darüber ist im Reetdach ein Loch zum Abzug des Rauches. Der frisst sich trotzdem sekundenschnell in meine Nase, Haare und Kleidung. Dabei ist das hier noch die angenehme Variante. Auf der Isle of Harris hatten die Blackhouses keinen Abzug über der permanent brennenden Feuerstelle. Und wenn die Luft im gesamten Haus vom Rauch gesättigt war, bahnte dieser sich seinen Weg durch das geschlossene Reetdach. Aus dem Dach dieses Blackhouses steigen ebenfalls Qualmwolken auf und vermitteln von Weitem erst einmal den Eindruck, das ganze Haus gehe gleich in Flammen auf.

Ich werfe einen letzten Blick auf die karge Einrichtung aus Bett, Stühlen und Kochstelle, gehe noch einmal zu dem Teil des Raums, in dem das Vieh untergebracht war, und verlasse das Blackhouse. Vor der Tür stehen fünf Frauen in fröhlicher Runde. Zwei von ihnen tragen zeitgenössische Kleidung aus dem 17. Jahrhundert, die anderen drei sind Besucherinnen. Ich geselle mich zu ihnen und erfahre, dass die Touristinnen aus England, Irland und den USA kommen. Die Unterhaltung dauert an und wir lachen viel. Wahrscheinlich haben auch die anderen drei Besucherinnen zuvor die Schulbank gedrückt und ihre Ausgelassenheit ist einfach Ausdruck der Erleichterung, dem strengen Lehrer wieder entkommen zu sein.

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Da guckte die Queen

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Auf der M 90 geht es nun nach Norden. Vorbei an Perth und weiter nach Pitlochry. Kurz dahinter beginnen schon die Grampian Mountains. Doch ich mache erst einmal Halt in dem malerischen Ort.

Ceud mile fàilte

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‚100.000 Willkommen‘ heißt der gälische Gruß am Ortseingang von Pitlochry. Die knapp 3000 Einwohner zählende Stadt am Fluss Tummel lädt zu einem kleinen Bummel durch die reich mit Blumen geschmückten Straßen ein. Entstanden sein soll sie, 20160713_172503 - Kopienachdem ein britischer General 1725 eine Straße an dieser Stelle bauen ließ. Ziel war, nach den Jakobiten-Aufständen 1715 die bisher 20160713_171847 - Kopieschwierig erreichbaren ländlichen Regionen in den Highlands zugänglich zu machen. Mehr als hundert Jahre später lenkte Queen Victoria (1819-1901) mit ihrem Besuch das Interesse der Öffentlichkeit auf Pitlochry. Dieses ist heute vor allem für seine 311 Meter lange Lachsleiter bekannt.

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Beliebt bei Königinnen

Nur wenige Meilen entfernt gibt es noch einen Ort, dem der Besuch Queen Victorias Berühmtheit gebracht hat. Der sogenannte Queen’s View. Auf dem Weg zu meinem Hotel biege ich hinter Pitlochry nach Westen ab. Die Straße ist sehr eng und ausgesprochen kurvenreich. Zudem ist sie so schmal, dass nur ein Auto darauf zu passen scheint. Schon nach kurzer Zeit werde ich eines Besseren belehrt. Als ich schließlich an einem Schild vorbeifahre, das auf den Queen’s View aufmerksam macht, wundere ich mich nicht länger über den regen Verkehr und entscheide mich ebenfalls spontan für einen Zwischenstopp. Dafür werde ich mit einem herrlichen Blick  auf Loch Tummel und die bewaldeten Hügel ringsum belohnt. Ganz im Hintergrund ragen sogar die schroffen Bergen des Glen Coe auf.

Die Bilder von Queen Victoria in und um das neue Besucherzentrum vermitteln den Eindruck, der Name der Plattform mit dem wunderbaren Ausblick rühre von dieser Queen her. Doch der Queen’s View trug seinen Namen schon vor Queen Victorias Besuch und soll sich auf die Ehefrau des Schottenkönigs Robert the Bruce (1274-1329) beziehen. Diese war – nur zeitversetzt um ein paar Jahrhunderte – ebenfalls hier.

Noch ein Traumblick für süße Träume

20160713_111148 - KopieNach einer Dreiviertelstunde kurvenreicher Fahrt durch die schottische Einsamkeit erreiche ich schließlich Kinloch Rannoch, meine nächste Station für eine ganze Woche. Es ist ein hübscher, sehr kleiner Ort umgeben von Bergen. Mein Hotel liegt direkt am See Rannoch. Und der Parkplatz, auf 20160712_181947 - Kopiedem sogar ein Wagen mit der Emily als Kühlerfigur steht (mutig, angesichts der engen Straße), lässt darauf schließen, dass es hier gar nicht so einsam ist. In der Lobby empfängt mich ein harmonisches Miteinander unterschiedlichster Karos: Auf dem Boden, den Kissen, Sofas, Sesseln und Stühlen. Nach einer fröhlichen und ausführlichen Begrüßung durch die freundliche Mitarbeiterin an der Rezeption mache ich mich auf den Weg zu meinem Zimmer. Und kann – dort angekommen – mein Glück kaum fassen angesichts dieses Ausblicks auf den See. Sogar ein Stück des Bergs Schiehallion ist im ‚Bild‘. Der weite Weg hat sich gelohnt!

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Jetzt geht’s in die Highlands

sunshine on fife

Copyright: Fotolia – Louise McGilviray

Doch vorher geht es erst einmal über den Firth of Forth, die Mündung des Flusses Forth, mit der berühmten Forth Bridge. Die zweigleisige Eisenbahnbrücke wurde 1890 eröffnet und ist als Brücke mit der ehemals weltweit größten Spannweite längst zu einem Wahrzeichen Schottlands geworden.

Ich überquere den Firth of Forth natürlich über die Forth Road Bridge, eine vierspurige und sehr eindrucksvolle Hängebrücke, die 1964 für den Autoverkehr freigegeben wurde. Und während ich über die breite Flussmündung fahre, die ein Drittel des Landes vom größeren Teil Schottlands mit den berühmten Highlands trennt, fühle ich mich auch brückentechnisch zwischen der Vergangenheit und der Zukunft schwebend. Denn links von der Forth Road Bridge entsteht gerade die Queensferry Crossing, eine Schrägseilbrücke, die schon bald für den Verkehr geöffnet werden soll. Doch im Moment ist Queensferry Crossing noch keine zusammenhängende Brücke. Die drei riesigen Pfeiler stehen als ausladende, gigantische Elemente unverbunden hintereinander. Ein sehr eindrucksvoller Anblick. Schade, dass ich nicht mitten auf ‚meiner‘ Brücke anhalten und eine Weile nur betrachten kann. Könnte nicht ein klitzekleiner Stau ein bisschen Aufschub an diesem schönen Ort des Übergangs bringen? Natürlich nicht, panta rei …

The new Forth Bridge: Queensferry, Edinburgh, Scotland

Copyright: Fotolia – douglasmack

 

 

‚Lost‘ im Labyrinth: Die Tücken von Traquair House

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Jeden Tag zwei Attraktionen. Mindestens. So lautet meine Vorgabe für diese Schottland-Reise. Bisher konnte ich sie problemlos umsetzen. Darum war ich auch heute Morgen zuversichtlich, an diesem Tag das märchenhafte Moffat Water Valley wiederzusehen und  auf dem Weg dorthin noch Traquair House kennenzulernen.

Denn dies ist das älteste kontinuierlich bewohnte Herrenhaus Schottlands. Und das seit tausend Jahren, wie mir das Video im kühlen Kellergewölbe des eindrucksvollen Landsitzes erzählt. Weil das ursprünglich deutlich kleinere Haus immer wieder verändert und erweitert wurde, stammt ein Großteil des jetzigen Baus aus dem 17. Jahrhundert. Mag sein, dass die ständige Anwesenheit der Familie der Grund ist, dass sich über all die Jahrhunderte kein einziger Geist in dem Gemäuer eingefunden hat. Was schon sehr ungewöhnlich ist für ein schottisches Schloss. Und ziemlich enttäuschend für die Besucher, die in froher Erwartung auf eine schöne Schauergeschichte herbeiströmen. Um diesen Makel wett zu machen, hat die heutige Besitzerin ein kleines Gruselkabinett in einem der Kellerräume eingerichtet. Der Raum ist mit allerlei Spuk-Utensilien bestückt und wird von einer lebensgroßen, in einem Schaukelstuhl sitzenden Frauenfigur dominiert. Da die Dame dem Betrachter den Rücken zuwendet, hat das etwas von Bate’s Motel aus dem Hitchcock-Thriller Psycho.

Eine Etage höher erfahre ich jedoch, dass das Haus nicht ganz so ‚geistlos‘ ist, wie zuvor behauptet. So soll ein Mitarbeiter an einem nebeligen Morgen im Schlossgarten eine Frau gesichtet haben, die über die Wege wandelte. Der Mann erkannte in ihr eine frühere Angestellte. Bis hierhin nichts Ungewöhnliches, abgesehen von der Tatsache, dass die Frau zu diesem Zeitpunkt schon verstorben war. Nicht überliefert ist, ob der Beobachter gerade aus der hausinternen Brauerei kam, wo er vielleicht zu reichlich vom Selbstgebrauten gekostet hatte. Doch das ist nur meine persönliche Vermutung.

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Traquair House diente seit dem 12. Jahrhundert als Jagdschloss der schottischen Könige. Auch Maria Stuart (1542-1587) und ihr Sohn waren hier zu Gast. Zeugnis davon legt unter anderem Handschriftliches der später zum Tode verurteilten schottischen Königin ab, das unter Glas zu besichtigen ist. Es ist noch immer gut zu entziffern.

Und es gibt eine weitere Historie. Im Jahr 1745 wurden die Eisentore am Haupttor zum Schloss hinter Charles Edward Stuart, Bonnie Prince Charlie, mit dem Schwur geschlossen, sie erst dann wieder zu öffnen, wenn ein Stuart den Thron besteigt. Der Schwur wird bis heute peinlichst gehalten, weshalb die Einfahrt nicht länger Einfahrt ist, sondern zur riesigen Rasenfläche umgestaltet wurde und ein neues Eingangstor an der Seite angelegt werden musste. Denn das ehemalige Haupttor ist tatsächlich seit 271 Jahren geschlossen geblieben.

20160710_135740 - KopieNach einem anregenden Gespräch mit einem Angestellten, der mir eine Handvoll Tipps für meine weitere Reise gibt (ich hoffe, es war nicht der Mann, der den Geist gesehen hat), kann ich es kaum erwarten, die wundervollen Gartenanlagen um Traquair House kennenzulernen. Jeder Gartenliebhaber kommt hier auf seine Kosten. Wie magisch angezogen fühle ich mich zuerst jedoch vom Labyrinth auf der Rückseite des Schlosses. Von oben sieht es auch gar nicht groß aus, sodass mir ein kleiner Abstecher durch die mindestens zwei Meter hohen Hecken ein schöner Auftakt für die Gartenbesichtigung zu sein scheint. Doch der Aufenthalt in diesem Labyrinth gestaltet sich deutlich länger und bewegungsreicher als geplant. Während ich die nicht enden wollenden Heckengassen entlanghaste und vor immer neue grüne Wände stoße, kommt mir ein Gedanke. Könnte es nicht sein, dass Traquair House über kein ordentliches Schlossgespenst verfügt, weil sich mögliche Anwärter in diesem Labyrinth verirrt haben?  Ich bin sehr froh, als ich schließlich doch noch hier herausfinde. Über den Fools Exit. Egal, Hauptsache wieder draußen!

20160710_143541 - KopieFür den übrigen Garten bleibt dann leider nicht mehr ganz so viel Zeit. Und auch die Essenspause im wunderschönen Cottage auf dem Schlossgelände ist weniger beschaulich als geplant. Dafür schaffe ich es im Moffat Water Valley noch bis zum Grey Mare’s Tail mit seinen für 20160710_164245 - Kopiedie Lowlands doch ziemlich beeindruckenden Hügeln.

Und auf dem Rückweg reicht es sogar für einen Abstecher nach Selkirk, wo Sir Walter Scott einst als Sheriff und später als Richter tätig war. In der dortigen Waverley-Mill (wie sollte sie sonst heißen) der Firma Lochcarron kann ich dem charmanten Tea Room mitten im Verkaufsraum und dem Tweed nicht widerstehen. Und dieses Mal meine ich bestimmt nicht den Fluss.

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(M)eine schottische Romanze – Abbotsford House

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Als ich Abbotsford House in der Nähe von Melrose zum ersten Mal besuchte, war ich siebzehn Jahre alt. Das ist eine ganze Weile her. Doch diese erste Begegnung hat meine Begeisterung für Schottland geprägt. Es war genau dort, als der Funke übersprang, und ich zum Schottland-Fan wurde. Nicht, dass ich die „Romanze in Stein und Mörtel“, wie sein Erbauer, Sir Walter Scott (1771-1832), seinen schlossähnlichen Landsitz nannte, schöner fände, als manch anderes schottisches Herrenhaus. Im Gegenteil. Das lange Gebäude mit 20160708_134711 - Kopieseinen vielen Kaminen, Zinnen und kleinen Türmen ist eine gewagte Mischung unterschiedlichster Quellen und ‚Zitate‘ historischer Bauwerke. So soll der Eingang dem Hauptportal von Linlithgow Palace nachgebildet sein, während die Mauer im Hof wie der Kreuzgang von Melrose Abbey gestaltet sei. Und drinnen geht es ebenso vielfältig weiter. Denn der schottische Dichter und Schriftsteller war ein begeisterter Sammler. Beispielsweise von Waffen und Kuriositäten, die die Räume und Wände von Abbotsford House füllen. Stil findet man hier zunächst nicht. Zumindest keinen einheitlichen.

Ein Jurist wird Romantiker

Walter Scott hat in Edinburgh Rechtswissenschaften studiert, wurde anschließend Sheriff von Selkirk und später Richter. Die Literatur hat ihn jedoch schon immer fasziniert und er übersetzte noch während des Studiums Werke bekannter Schriftsteller, darunter auch von Goethe. Als er selbst zu schreiben begann, waren es zunächst epische Romanzen. Aus seiner Feder stammen Werke wie Marmion (1808) oder The Lady of the Lake (1810). 1814 folgte – zunächst anonym – sein erster Waverley-Roman. Damit begründete Scott das Genre des historischen Romans. Dem ersten folgten noch 25 weitere und Sir Walter Scott wurde zum Bestseller-Autor. Rob Roy und Ivanhoe sind ebenfalls schottische Helden, die er zu neuem Leben erweckte und damit einen entscheidenden Anteil an der aufkeimenden Schottlandromantik hatte. Und diese ging schon damals weit über die Landesgrenzen hinaus.

Wieder tragbar: Tartan und Kilt

Eigentlich heißt Scotts erster Waverley-Roman in Übersetzung: Waverley  oder s‘ ist sechzig Jahre her. Mit dem Zusatz ist der Jakobiten-Aufstand gegen die englischen Regierungstruppen gemeint, die mit Charles Edward Stuart – genannt Bonnie Prince Charlie – die Stuarts zurück auf den schottischen und englischen Thron bringen wollten. Der Aufstand endete mit der vernichtenden Niederlage der Clans in der Schlacht von Culloden im Jahre 1746. Natürlich wird im Roman Waverley der Aufstand der Clans ‚offiziell‘ verurteilt und der junge, unerfahrene und in seinen politischen Überzeugungen noch schwankende Held findet gerade noch rechtzeitig den Absprung zur politisch korrekten Seite. Zugleich gelingt es dem Autor aber, den Schotten ihren Stolz zurückzugeben, indem er Geschichte und Tradition der schottischen Clans erzählt und bei seinen Lesern eine romantische Sehnsucht nach den ‚alten Zeiten‘ hervorruft. Eine subtile Form politischen Handelns. Einen großen Schritt weiter geht der zu diesem Zeitpunkt schon geadelte Sir Walter Scott, als er im Jahre 1822 in der Funktion eines Zeremonienmeisters für den Besuch George IV. in Edinburgh – es war der erste Besuch eines englischen Königs in Edinburgh seit 200 Jahren – den royalen Gast in Highland-Outfit mit Kilt in Szene setzt. Seit Culloden war das Tragen von Clan-Attributen wie Tartan und Kilt bei strengster Strafe verboten. Der Auftritt des englischen Königs George IV. in Hochlandtracht machte den Schottenrock nicht nur wieder salonfähig, sondern löste einen wahren Karo- und Kilt-Boom aus, der bis zum heutigen Tage anhält und mit immer neuen Highland-Bestseller-Romanen und -Filmen weiter befeuert wird.

Den Roman Waverley habe ich – angestoßen durch ein Seminar zur englischen (und schottischen) Romantik – ein paar Jahre nach meinem ersten Besuch in Abbotsford House gelesen. Ich gebe zu, das Buch ist ziemlich dick. Doch die Geschichte hat in mir den Wunsch geweckt, endlich einmal nach Culloden zu fahren. Bei meinen bisherigen Schottlandreisen habe ich jedoch keinen meiner Mitreisenden davon überzeugen können. Doch diesmal bin ich ja allein unterwegs.

Romantik bis zum Schluss …

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Dass der Rechtsgelehrte Sir Walter Scott durch und durch ein Romantiker war, zeigt auch seine Grabstätte, die er selbst ausgewählt hat. Es ist die Abteiruine Dryburgh, für deren Erhalt er sich zu Lebzeiten intensiv eingesetzt hat. Dort wurde er 1832 beigesetzt. Bei der Fahrt dorthin soll das Pferd, das die Kutsche mit seinem Sarg zog, noch einmal am nahe gelegenen Scott’s View ohne Anweisung des Kutschers stehen geblieben sein. Der Erzählung nach hat hier Sir Walter Scott immer eine kleine Pause eingelegt, um den traumhaft schönen Blick in die sanfte Hügellandschaft zu genießen.

… und ein wenig Gemecker

20160708_123533 - KopieDoch noch ein letztes Mal zurück zum Haus von Sir Walter Scott. Einer der berühmtesten Kritiker der Stilmischungen an und in Abbotsford House ist Theodor Fontane. In seinem Werk Jenseits des Tweeds lässt er sich ausgiebig darüber aus, wie ich amüsiert gelesen habe. Fontanes Urteil ist jedoch so bissig, dass ich es hier nicht wiedergeben möchte. Denn Abbotsford House ist etwas Besonderes für mich. Vor allem die mit vielen Erstausgaben reich bestückte Bibliothek mit dem schönen Blick hinunter zum Fluss Tweed. Ich bin erleichtert, dass wenigstens im Haus und in den prächtigen Gartenanlagen rundherum noch fast alles so ist, wie ich es in Erinnerung habe. Denn das gilt beileibe nicht für den Teil jenseits von Hof und Haus. Seit 2013 gibt es hier ein sehr großes – zugegeben – dezent gestaltetes Besucherzentrum. Dort bekommt man nicht nur die Eintrittskarten, sondern auch allerlei Schönes aus Tweed und anderen Materialien mit viel Karo und Co. Und eine Etage höher – mit Blick hinüber zu Abbotsford House – befindet sich ein stylishes Restaurant, in dem ich Scones mit Clotted Cream und Erbeermarmelade von quadratisch-schickem Geschirr gegessen und Tee getrunken habe, nachdem ich zuvor (Please wait to be seated!) an einen Tisch komplimentiert worden war. Das Ambiente ist wirklich schön, keine Frage, und Scones und Tee waren köstlich. Dennoch habe ich ein bisschen wehmütig an den kleinen Tea Room mit Selbstbedienung, einfachen Stühlen und Tischen und einem sehr begrenzten Angebot an Speisen und Getränken gedacht,  der sich nahe an Abbotsford House befand und in dem ich früher immer eingekehrt bin. Na bitte, nun blicke auch ich sehnsüchtig in die Vergangenheit. Wenn das nicht Romantik pur ist …

Enge Nachbarn: Priorwood Garden und Melrose Abbey

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Mitten im pittoresken Örtchen Melrose in den Scottish Borders liegt Priorwood Garden. Dieser besondere Garten ist von drei hohen Steinmauern sowie einer kleinen Baumpflanzung eingerahmt. Trotz dieser Abgrenzung ist Priorwood Garden öffentlich (und kostenlos) über einen kleinen Laden zugänglich. Wenn gerade keine Hochzeit stattfindet. Denn der Garten bietet außer traumhaft schönen Blumenrabatten, einer riesigen Obstwiese mit hauptsächlich alten Apfelsorten, einem kleinen Gemüse- und Kräutergarten sowie der erwähnten Baumlandschaft etwas, das kaum ein anderer Ort vorweisen kann: Den Blick auf die romantische Abteiruine von Melrose.

20160711_135204 - KopieDarum führt mich mein Weg zuerst nach Priorwood Garden. Hier ist es viel stiller als in der Abbey. Auf einer Bank zwischen Obstbäumen sitzend stelle ich mir vor, wie das Leben der Mönche hier wohl im 12. Jahrhundert verlaufen ist. Sie gehörten dem Orden der Zisterzienser an und ihr Tag war vermutlich von Gebeten und strengen Übungen geprägt. Unterstützung – vor allem bei den schweren körperlichen und anderen alltäglichen Arbeiten – erhielt der Orden von sogenannten Laienbrüdern. Ihnen war für den Gottesdienst der hintere Kirchenteil bestimmt. Die Laienbrüder kamen aus der nahen Umgebung, und fanden hier sichere Arbeit, Essen und eine Unterkunft.

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Der gotische Klosterbau Melrose ist einer der vier großen Abteiruinen in den Scottish Borders. Er soll auf Wunsch von König David I. von Schottland (1080-1153) ab dem Jahr 1136 errichtet worden sein. Melrose ist zugleich Ruhestätte verschiedener schottischer Könige wie Alexander II. (1214-1249). Der Legende nach soll auch das Herz von Robert the Bruce (1274-1329) auf dem Klostergelände bestattet liegen. 20160711_150952 - KopieDieser Ururururenkel von König David I. kämpfte während des ersten schottischen Unabhängigkeitskriegs (1296-1328) als Anführer der aufständischen Schotten gegen England. Das Herz von Robert the Bruce wurde von einem Kreuzzug zurück nach Schottland gebracht. 1560 endete schließlich das mönchische Leben von Melrose aufgrund der Reformation.

Doch zurück zu meinem stillen Platz auf der Obstwiese von Priorwood Garden. So lebendig sich dieser 0,8 Hektar große Garten mir mit all seinen unterschiedlichen Pflanzen und mannigfaltigen Blüten im Moment auch präsentiert, so ‚verdorrt‘ wird diese Pracht am Ende sein. Denn die Pflanzen werden für die unterschiedlichsten Zwecke getrocknet. Im langgestreckten Gebäude zu Füßen der Abtei findet dieser Trocknungsvorgang statt. Genutzt werden die Trockenblumen vor allem zur Dekoration, aber auch für kosmetische Produkte. Einige davon kann man im kleinen Laden von Priorwood Garden kaufen. Wer, wie ich, mehr Interesse an lebendigen Pflanzen hat, findet neben dem Eingang in den Garten eine große Auswahl an Stauden zum Kauf.

Übrigens befindet sich im „Trocknungshaus“ auch eine Vertretung des National Trust for Scotland. Der freundliche Mitarbeiter dort fragte mich nach meinen weiteren Reisezielen. Als er hörte, dass ich noch in die Highlands reisen wolle, bot er mir an, Orte und Zeiten herauszusuchen, an denen gerade Highland-Games stattfänden. Die müsse ich doch unbedingt einmal erlebt haben. Der Mann hielt Wort. Nachdem ich in aller Ruhe den Garten genossen hatte, überreichte er mir eine kleine handschriftliche Liste. Mal schauen, ob ich es wenigstens zu einem dieser Orte schaffe.

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Was Priorwood Garden betrifft, so sind erste Zeugnisse aus dem 19. Jahrhundert bekannt, als dieser als Küchengarten für Priorwood House diente. 1975 nahm sich schließlich der National Trust for Scotland des verwilderten Gartens an und unterband damit Pläne, das Gelände zu einem Parkplatz ‚umzugestalten‘. Erwähnen muss ich noch, dass es in Melrose einen weiteren öffentlichen und ebenso bekannten Garten gibt: Harmony Garden. Für einen Besuch dort fehlte mir leider die Zeit. Ein Versäumnis, das ich beim nächsten Besuch in Melrose unbedingt wettmachen werde.

20160711_153010 - KopieNatürlich bin ich nach meinem Aufenthalt in Priorwood Garden endlich zur Abtei  gegangen. Nach einem ausführlichen Gang durch das Innere der Ruine, einem Weg über den Friedhof mit den uralten Grabsteinen und einem Blick auf das Melrose-Schwein mit Dudelsack, einer Skulptur an der Außenseite des Gemäuers, habe ich schließlich noch das Commendator’s House aus dem Jahr 1590 auf dem Abtei-Gelände besucht. Dieses ist heute ein kleines Museum mit Exponaten, die rund um das Kloster gefunden wurden. Und dort konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, für ein paar Augenblicke selbst einmal Mönch, beziehungsweise Nonne zu sein.

20160711_145308 - KopieZum Abschluss bin ich noch einmal zur Abteiruine zurückgekehrt und die kleine Treppe zur engen Aussichtsplattform hoch oben neben den Zinnen gestiegen und habe den Blick in die umliegenden Eildon Hills 20160711_145836 - Kopiegenossen. König Artus soll dort begraben liegen. Und gar nicht weit entfernt, in der Dryburgh Abbey, hat Sir Walter Scott, der schottische Schriftsteller, seine letzte Ruhe gefunden. In direkter Nähe zu seinem Wohnsitz Abbotsford House. Doch den Besuch dort hebe ich mir für einen anderen Tag auf …

Rosslyn Chapel – ein Ort mit Magie und Geschichte(n)

Rosslyn Chapel

Nur wenige Meilen von Edinburgh entfernt liegt Rosslyn Chapel. Um die kleine gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert ranken sich unzählige Geschichten und Spekulationen. Hollywood hat noch einige hinzugefügt und die Besucherzahlen damit auf über 130.000 pro Jahr anwachsen lassen. Rosslyn Chapel erträgt das alles mit Engelsgeduld. Oder mit der vielfach beschworenen Magie. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was mich erwartet. Auf dem Weg dorthin komme ich erst einmal durch das Örtchen Roslin, das sich kurz nach Baubeginn von Rosslyn Chapel durch die vielen Handwerker gebildet hat, die am Erstehen des vielleicht ungewöhnlichsten Sakralbaus beteiligt waren.

40 Jahre dauerten die Arbeiten an der Kirche an. Begonnen haben sie im Jahr 1446, nachdem der letzte Orkney-Prinz, Sir William St. Clair, den Bau geplant und begründet hatte. Als vier Jahrzehnte später die Arbeiten mit dem Tode St. Clairs unterbrochen wurden, umfasste Rosslyn Chapel erst ein Drittel der Größe, die sein Gründer ursprünglich vorgesehen hatte. Denn der später entdeckte eigentliche Grundriss entspricht laut Expertenmeinung dem Herodianischen Tempel in Jerusalem.

Bevor ich ins geheimnisumwobene Kirchengebäude gelange, muss ich erst einmal durch ein modernes Besucherzentrum gehen und ein Ticket kaufen. Doch dann ist es schließlich so weit. Ich stehe in der Kirche und bin augenblicklich überwältigt von der einzigartigen Fülle an Steinmetzkunst.

Ein mittelalterlicher Comic

20160803_073552Auf 21 Metern Länge und fast 13 Metern Höhe scheint fast jeder Quadratzentimeter von unterschiedlichsten Motiven überzogen zu sein. Engel, Pflanzen, biblische Szenen und überall Ornamentik. Ich weiß nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Was diese Steinmetzkunst neben ihrer ungewöhnlichen Menge und Vielfalt so besonders macht, ist die Qualität der Arbeiten. Keine Frage, hier haben die besten Steinbildhauer ihrer Zeit ein bis heute einzigartiges Gesamtkunstwerk geschaffen. Dieses setzt biblische Szenen ins Bild oder zeigt Symbole mit mehreren Bedeutungsebenen. So wurden Geschichten und Botschaften für alle Menschen ‚lesbar‘ gemacht. Denn nur wenige konnten zur Entstehungszeit dieser Kirche die in Latein verfasste Bibel verstehen.

Im Südschiff stoße ich auf einen Fries, der die sieben Todsünden verbildlicht. Nach der Bibel sind dies: Stolz, Völlerei, Habgier, Zorn, Neid, Faulheit und Wollust. Diesen gegenüber stehen die sieben Werke der Barmherzigkeit, die heißen: Bedürftigen helfen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Mildtätigkeit üben, Hungrige speisen und Tote bestatten. Ein Kirchenführer, der lebhaft und anschaulich meine Fragen beantwortet, erklärt, dass die Habgier, als eine der Todsünden, und die Mildtätigkeit, als ein Werk der Barmherzigkeit, auf den Friesen vertauscht worden seien. So stehe das Positive zwischen den Sünden und umgekehrt. Mir kommt der Gedanke, dass kleine Fehler und Ungereimtheiten einer Sache bisweilen noch mehr Spannung verleihen. Darüber lässt sich sicher streiten. Doch dieser Ort hält weitere Überraschungen für seine Besucher bereit.

Auffallend sind nämlich die vielen Bezüge zu den Tempelrittern, die in der ganzen Kirche zu finden sind. So ist das Gralskreuz gleich mehrfach abgebildet. Mal wird es von einem Engel gehalten, ein anderes Mal ist es in einem Schlussstein im Kirchenraum an der Decke zu sehen. Eine bedeutende Rolle sollen auch die Freimaurer gespielt haben. Einige der Steinmetzarbeiten geben sogar Einblicke in ihre geheimen Riten.

Von Tempelrittern und Gralssuchern 

20160803_074104Um Rosslyn Chapel spinnen sich unzählige Mythen, Legenden und Geschichten. Vor allem die Krypta, der älteste Teil der Kirche und über eine Treppe neben der Marienkapelle zu erreichen, weckt bis heute das Interesse von Wissenschaftlern unterschiedlichster Disziplinen, aber auch von esoterisch Inspirierten und Verschwörungstheoretikern. Spekulationen zufolge sollen sich in der Krypta nämlich die Schriftrollen aus Salomons Tempel oder der Kopf von Johannes dem Täufer befinden. Ein anderes Gerücht vermutet die schottischen Kronjuwelen an diesem Ort, während wieder andere Stimmen die Krypta gar als Aufbewahrungsort der Bundeslade wähnen.

20160803_074023Eine Geschichte geht mir dann doch ‚unter die Haut‘. In der Marienkapelle stoße ich auf zwei prachtvoll verzierte Säulen. Die linke Säule soll, so die Erzählung, vom Steinmetzmeister der Rosslyn Chapel geschaffen worden sein. Sie ist wunderschön, jedoch viel schlichter als die zweite Säule. Diese prunkvolle, mit sich nach20160803_074048 oben windenden Ornamentbändern, soll der Lehrling – inspiriert durch einen Traum – in Abwesenheit des Meisters in den Stein gehauen haben. Der Meister war nach Rom gereist, um den Plan dieser Säule zu besorgen. Bei seiner Rückkehr fand er die bereits fertige Säule des Lehrlings in der Kirche vor. Aus Eifersucht auf seinen begabten Schüler bekam der Meister einen Wutanfall und erschlug den Lehrling noch vor der Säule. Dafür wurde der Meister mit dem Tode bestraft. Im westlichen Teil der Kapelle blicken nun die steinernen Köpfe des Lehrlings und seiner Mutter auf die Säule. Doch auch der Kopf des Mörders ist dort im Stein verewigt und dazu verurteilt auf das Werk seines Schülers zu schauen. Diese Geschichte soll der Hiramslegende der Feimaurer ähneln, manche Theorien vermuten sie sogar als Ursprung der Legende um den Architekten Salomons, Hiram Abif. Eine besondere Bedeutung erhält die Säule des Lehrlings noch durch acht Drachen im unteren Teil. Gemäß der nordischen Mythologie befinden sich genau acht Drachen an den Wurzeln des Weltenbaums Yggdrasil.

Green Man und mehr Natur

20160803_073903Eine wichtige Bedeutung kommt auch den Naturdarstellungen zu. Das keltische Fruchtbarkeitssymbol, der Green Man – ein männliches Blattgesicht -, findet sich in Rosslyn Chapel in mehr als hundert Varianten. Dabei sprießen Stängel und Blätter meist auch aus dem Mund der heidnischen Symbolfigur, was verschiedene Deutungen zulässt. Zum einen versinnbildlicht dies die bereits erwähnte Fruchtbarkeit. Genauso könnte man daraus entnehmen, dass die Worte des Green Man und alles, was von ihm ausgeht, im Einklang mit der Natur stehen.

Doch auch sonst wächst und blüht es üppig in der Kirche – wenn auch nur in steinerner Pracht. Die Decke ist in fünf verschiedene Bereiche unterteilt und zeigt in jeweils einem davon Gänseblümchen, Lilien, Rosen oder Sterne. Aber auch Pflanzen wie Farne, Eichenblätter, Aloe Vera oder Kohl sind im Stein nachgebildet.

Und beim Thema Natur wartet schon wieder ein Geheimnis auf den neugierigen Besucher: Die Darstellungen von Maiskolben im Südschiff entlang eines Fensterbogens werfen nämlich die berechtigte Frage auf, wie schottische Steinmetze schon Mitte des 15. Jahrhunderts Kenntnis von einer Pflanze haben konnten, die erst 1492 durch Christoph Kolumbus in Europa bekannt wurde. Der Legende nach soll der Großvater des Kirchengründers, Sir Henry St. Clair, bereits 1398 – und damit fast hundert Jahre vor Kolumbus – mit einer Gruppe Ritter Nordamerika erreicht und die Pflanze mitgebracht haben.

Hollywood war auch schon da

All diese ungelösten Geheimnisse locken seit Jahrhunderten Menschen zur Rosslyn Chapel. Dass sich die Zahl der Besucher heute auf einem Höchststand befindet, liegt auch daran, dass sich Hollywood vor einigen Jahren der Kapelle angenommen hat. Doch der Reihe nach. Im Jahr 2001 besuchte der US-amerikanische Romanautor Dan Brown die kleine gotische Kirche und wurde zu seinem Roman The Da Vinci Code (Sakrileg) angeregt. Die Geschichte wurde ein Weltbestseller und im Jahr 2006 mit Tom Hanks und Audrey Tatou in die Kinos gebracht. Darin geht es um einen Geheimbund, der das Geheimnis des Heiligen Grals hütet. Die Schlussszene des Films spielt in der Krypta von Rosslyn Chapel.

Und ’ne schwarze Katze

Dann wird es unerwartet auch für mich ein bisschen magisch. Während ich noch auf einer der alten Kirchenbänke sitze und immer Neues an Decken und Wänden entdecke, hat sich unbemerkt eine schwarze Katze angeschlichen und es sich neben mir auf der Bank gemütlich gemacht. Mein Erstaunen über den ungewöhnlichen Kirchenbesucher muss überdeutlich in meinem Gesicht abzulesen gewesen sein. Denn eine der freundlichen Kirchenführerinnen kommt sofort lachend auf mich zu und erzählt, dass die schwarze Katze seit zwölf Jahren täglicher Gast in der Kirche sei und meist den ganzen Tag über bleibe. Seine Besitzer, Anwohner aus der Nachbarschaft, würden ‚ihre‘ Katze nun regelmäßig in der Kirche besuchen. Gegen ausführliche Streicheleinheiten von mir hatte die Katze nichts einzuwenden.

Viele Rätsel um Rosslyn Chapel bleiben vermutlich ungelöst und ebenso viele Antworten umstritten. Eines ist aber sicher: Rosslyn Chapel hat bis heute nichts von ihrer Ausstrahlung und ihrem besonderen Zauber verloren. Mich hat diese Kirche jedenfalls in ihren Bann gezogen und steht nun bei jedem Schottland-Besuch auf meinem Programm. Bis heute ist Rosslyn Chapel übrigens in der Hand der Familie ihres einstigen Gründers, nun verwaltet vom Rosslyn Chapel Trust.

Und hier geht’s zur offiziellen Homepage von Rosslyn Chapel

It’s Tea Time

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Der erste Morgen in Schottland! Entgegen meiner üblichen Trödelei bin ich schon um neun Uhr auf der Straße. Eigentlich habe ich einen Plan für den heutigen Tag, doch den verwerfe ich kurzerhand und fahre hinter Peebles einfach der Nase nach über die sich schlängelnden Straßen durch eine traumhaft schöne Landschaft.20160710_165018 Ich gebe zu, jetzt wäre ich lieber Beifahrerin und bräuchte nicht ständig auf die Straßen zu schauen. Waren die sonst auch schon so schmal? Egal, ich muss sie nehmen, wie sie sind.

Nur wenige Meilen weiter südlich von Peebles entdecke ich eine kleine Ruine auf einer grünen Anhöhe. Zwar kann das Gemäuer nicht mit dem Eilean Donan Castle in den westlichen schottischen Highlands mithalten und hat sicher noch nie als Filmkulisse gedient, aber auch diese kleine Ruine ist Romantik pur. Ich beschließe, auf dem Nachhauseweg hier zu halten und zu den alten Mauern hinaufzusteigen. Doch erst einmal setze ich meine Fahrt fort. Nach ein paar weiteren Meilen wage ich einen Abstecher auf eine noch schmalere Straße, die nach Innerleithen führt. Die Hügel sehen auf dieser Seite besonders malerisch aus. Schließlich muss ich den Linksverkehr auf allen Straßen üben. Meine Entscheidung wird mit fantastischen Ausblicken belohnt. Damit ich diese auch genießen kann, halte ich in einer der kleinen Buchten neben der Fahrbahn. Schade, dass sich der Himmel gerade in eine dicke Wolkendecke hüllt, sonst würde ich richtig viele Fotos machen. Doch die ersten Ergebnisse geben das, was ich sehe, nur unzureichend und flach wider, darum packe ich den Fotoapparat wieder fort und nehme nur die schöne Landschaft in mich auf. 20160710_121113Bis mein Blick auf ein kleines Holzhaus fällt, das etwas entfernt steht und an einen Western-Saloon erinnert. Wenn das nicht … Und wirklich, ich habe Glück! Es ist einer der vielen Tea Rooms (auch wenn sich dieser als Coffee House ausgibt), die überall in Schottland – ob in der Einsamkeit oder an belebten Orten – zu einer kurzen Pause einladen. Und sie kommen sehr unterschiedlich daher, mal mit dem rauen Charme der Wildnis, mal fein herausgeputzt mit Spitzenschmuck und ganz viel Deko, bei der man sich in eine Art Märchenland versetzt fühlt. Und manchmal sind sie sogar mitten in Verkaufsräumen. Bisweilen gehen die Erlöse aus den Tea Rooms auch an ein soziales Projekt. Doch gleichgültig, ob die Mitarbeiter ehrenamtlich hier arbeiten oder damit ihren Lebensunterhalt verdienen, man spürt, dass Gäste herzlich willkommen sind. Ich mag die Tea Rooms sehr. 20160710_120232Zumindest für die Dauer einer Kanne Regular Tea, womit der Frühstückstee gemeint ist, zumeist ein Verschnitt verschiedener Schwarzteesorten, in denen der Assam jedoch den Ton, beziehungsweise die Farbe angibt. Und weil die Teebeutel in der Kanne verbleiben und von Tasse zu Tasse das Getränk kräftiger und dunkler machen, gibt’s mancherorts noch ein Kännchen heißes Wasser zum Verdünnen dazu. Meiner Erfahrung nach vor allem in den Highlands und auf den Hebriden.

Dass es noch nicht einmal zehn Uhr ist und mein dreigängiges Frühstück bestehend aus Toast mit Butter und Marmelade, Bohnen, Black Pudding, gegrillten Tomaten, Pilzen, Schinken, Rührei, Kartoffelpuffern und einem Obstsalat als Nachtisch noch immer meinen Magen füllt, hält mich nicht von einer Pause ab. Doch ich verzichte diesmal auf Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade und beschränke mich auf den Tee.

20160711_11542020160711_111055Bei den Tea Rooms kommt mir übrigens immer The Oven Door in Peebles in den Sinn. Der kleine Raum ist meistens gut besucht. Ich kenne ihn seit vielen Jahren und freue mich immer schon auf den leckeren Kuchen, der hier auf buntem Geschirr serviert wird. Natürlich war das mein erster Weg nach meiner gestrigen Ankunft …

SOME LIKE IT SCOT

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Zugegeben, der Titel ist nicht von mir. Die witzige Abwandlung des 1959 entstandenen Billy-Wilder-Klassikers Some like it hot habe ich zuletzt auf einem Plakat mit dem schönen Konterfei eines aktuellen Highland-Filmhelden gelesen. Also nicht ganz neu, aber passend. Zumindest für mich, denn vor mir liegen gut zwei Wochen Schottland. Mit dem Mietwagen, wie üblich. Zuerst stehen die Lowlands auf dem Programm. Diese scheinen manchmal hinter den vermeintlich spannenderen Highlands zu verschwinden. Doch ich finde das Grenzgebiet zwischen England und Schottland mit den sanften grünen Hügeln, den malerischen Küstenregionen an Ost- und Westseite des Landes und den vielen architektonischen und sonstigen Zeugnissen einer überaus lebhaften und wechselvollen Vergangenheit genauso spannend, wie den größeren Landesteil jenseits der Forth Bridge.

Kaum ist mein Flugzeug in Edinburgh gelandet – von Düsseldorf aus dauert der Flug nur knapp eineinhalb Stunden – finde ich mich auch schon mit Koffer und Rucksack am Schalter meines Autovermieters ein. Mein Mann, der nicht mitreisen konnte, hat mich von einem etwas größeren Modell überzeugt, damit ich im Linksverkehr gut geschützt sei. Darum sitze ich nun allein in einem Auto, in dem noch Platz für mindestens vier Mitfahrer und deren Gepäck wäre. Leider ist durch den breiteren Wagen auch der Abstand zu parallel zur Fahrbahn parkenden Autos kleiner geworden. Ein Punkt, an den ich mich beim Fahren im Linksverkehr ohnehin immer gewöhnen muss, egal, wie groß oder klein das Auto ist. Prima hingegen finde ich die vielen Roundabouts, die auf der britischen Insel die Kreuzungen weitgehend ersetzen.

Mein erstes Hotel ist in der Nähe von Peebles. Die schöne Kleinstadt wiederum liegt gut 20 Meilen südlich von Edinburgh in den Scottish Borders. Ich kenne Peebles schon von früheren Besuchen und genau darum zieht es mich immer wieder hierhin. Denn die Stadt hat durch ihre architektonischen Sehenswürdigkeiten, wie die Old Parish Church mit Kronenturm, dem Neidpath Castle, dem Fluss Tweed, schönen Geschäften, Gässchen und Museen sowie einer Kunsthandwerker-Szene einiges zu bieten. Mit verschiedenen20160711_114821 Festivals rund um die Themen Jazz und Kunst weiß die Stadt außerdem zu feiern. Am bekanntesten ist wohl das Beltane-Festival zum Sommerbeginn, das in der 3. Juniwoche stattfindet und seine Wurzeln in der keltischen Mythologie und Religion hat. Vielleicht sollte ich für nächstes Jahr schon einmal für diesen Zeitraum buchen.

1152 hat König David I. von Schottland Peebles den Rang einer Royal Burgh verliehen. Und aus dieser Zeit gibt es sogar noch den Turm der St Andrews Kirche, während das auf der Hauptstraße stehende Mercat Kreuz Peebles als alte Marktstadt ausweist. 20160707_214300Apropos Kirche, auf einem Straßenschild lese ich Cross Kirk. Scots, eine westgermanische Sprache, die in den schottischen Lowlands, den Southern Uplands und in den Regionen um Glasgow und Edinburgh gesprochen wird, – nicht jedoch im ‚gälischen Schottland‘ der Highlands und Hebriden-Inseln – hört man hier nicht nur in der Aussprache, sondern findet es auch in der Schriftsprache – wie hier Blau auf Weiß. Scots ist übrigens nicht mit dem schottischen Englisch gleichzusetzen, der heutigen Amts- und Bildungssprache in Schottland, sondern eine eigene Sprache.

20160711_111521Mein erster Besuch in Peebles liegt inzwischen elf Jahre zurück. Damals erschien mir ein Ausflug in den gut 8.500 Einwohner zählenden Ort wie eine Fahrt in die große Stadt. Gemeinsam mit vier Bekannten genoss ich damals umgebende Natur und Einsamkeit in einem wunderschönen Ferienhaus in Drumelzier, einem Örtchen, das ebenfalls im Tal des Flusses Tweed und nur wenige Meilen von Peebles entfernt liegt. Direkt neben dem Haus plätscherte ein kleiner Bach und gleich dahinter stieg ein grüner Hügel an.20160712_104734 - Kopie

20160708_201132Doch als Alleinreisende ziehe ich diesmal die Geselligkeit in einem Hotel vor. Mit dem Mercure Peebles Baronet Castle Hotel habe ich Glück. Es sieht nicht nur von außen schön aus, es ist auch von innen ein Ort, an dem ich die nächsten fünf Tage verbringen will. Denn so lange werde ich mich in den Scottish Borders aufhalten, bevor es weitergeht in die Highlands. Nach einem ausgiebigen Abendessen im Hotelrestaurant mache ich mich auf den langen  Weg durch viele enge Flure zurück in mein Zimmer. Die Böden und sogar die Treppen sind hier mit großkarierten Teppichen belegt. Und dann glaube ich einen Moment lang tatsächlich zu träumen. In einem der Flure kommt mir ein festlich gekleideter und sehr attraktiver Mann mit schwarzen Haaren, Bart, Jackett, Weste, Hemd und Schlips entgegen. Ich wage einen Blick auf den unteren Teil seiner Bekleidung, der aus einem grün-blau-karierten Kilt und farblich passenden Strümpfen, einem Sporran (Geldtasche), einem Gürtel mit auffallender Schnalle sowie dem Sgian Dubhs (Messer) im Strumpf besteht. Abgerundet wird die Bekleidung von den passenden Ghillies Brogues (Schuhen) mit den besonderen Lochmustern und den mehrfach um die Fesseln geschlungenen Schnüren. Bei diesem Anblick verschlägt  es mir erst einmal die Sprache. Zum Glück ergreift der Mann das Wort und wir tauschen schließlich ein paar Höflichkeiten aus, während wir uns in dem zugegeben sehr engen Gang aneinander vorbei bewegen. Dabei stelle ich fest, dass der Mann sogar ein wunderschönes Lachen hat. Wird hier vielleicht ein Film gedreht und ich stehe gerade vor dem Helden der Geschichte? Einen Moment lang liegt mir tatsächlich die Frage auf der Zunge, ob ich vielleicht ein Foto von ihm … mein Handy wäre griffbereit. Doch dann sind wir zum Glück schon aneinander vorbei und ich habe mir diese Peinlichkeit erspart.

20160710_152937 - KopieGanz beschwingt erreiche ich mein Zimmer im dritten Stock, wo ich mich wie das Burgfräulein persönlich fühle und einen schönen Blick in den Schlossgarten habe. Und siehe da, das Rätsel löst sich. Dort unten versammeln sich gerade Gäste einer Hochzeitsfeier. Auch mein Held aus dem Gang trifft in diesem Moment ein. Und er ist nicht allein, denn als ich nun den Blick über die fröhliche Gesellschaft schweifen lasse, erkenne ich, dass mindestens ein Drittel der anwesenden Herren Kilt trägt. Ich bin wirklich wieder in Schottland …

Eine Geschichte voller Magie und Geheimnisse der Vergangenheit

Der Smaragdgarten – ein Sommerroman von Nora Gold

— eine alte Villa, ein düsteres Geheimnis und eine große Liebe —

Smaragdgarten_oBEin nächtlicher Anruf ihrer Freundin lässt Hannah aufhorchen: Etwas stimmt nicht mit der so disziplinierten Marlene. Hannah macht sich auf den Weg in den kleinen Weinort bei Dresden, wo Marlene seit Kurzem lebt, und findet ihre Freundin in einem erschreckenden Zustand vor. Nach anfänglichem Zögern berichtet Marlene schließlich, dass sie von etwas Unbekanntem bedroht wird. Doch auch Hannahs geordnete Welt, zu der eine feste Beziehung mit einem Mediziner gehört, gerät durch Marlenes undurchsichtigen Nachbarn Jonas vollkommen aus dem Gleichgewicht. Welche Rolle spielt jedoch der mittellose Künstler, der in einer alten Villa lebt, die ein düsteres Geheimnis birgt? Ebenso der stille Junge David, der auffallend oft Marlenes Nähe sucht? Und was ist eigentlich mit Peer, Marlenes Ehemann? Während Hannah immer stärker in Jonas‘ Bann gerät, fühlt sich Marlene zunehmend von anonymen Botschaften verfolgt. Bei einer Feier kommt es schließlich zur Katastrophe. Und plötzlich geht es um viel mehr, als um Antworten auf all die ungelösten Fragen.

Wie üblich mit einer Prise Magie…

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