(K)nackige Anblicke

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… bietet die Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin. Sie ist in direkter Nähe zum Schloss Charlottenburg. Was die tolle Ausstellung der unzähligen lebens- und überlebensgroßen Statuen in diesen Tagen noch spannender macht, ist die Sonderausstellung Vorbildlich Bildlich von Thomas Räse. Denn seine Fotos hängen genau zwischen den Plastiken. Mehr noch, die Fotos stehen in einem direkten Bezug zu den Skulpturen. Hier trifft Antike auf Gegenwart, dreidimensionale auf zweidimensionale Kunst. Ob in nachdenklicher, beobachtender oder in lässiger Pose – hier finden viele antike Skulpturen ihr bildliches Gegenüber und kommen mit ihm ‚ins Gespräch‘. Sogar ‚halbe‘ Pferde korrespondieren miteinander. Manche Verbindungen sind wirklich witzig, andere regen zum Nachdenken an, alle sind gelungen. Finde ich zumindest.

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Entstanden sind die Fotos, wie der Ausstellungstext verrät, in den vergangenen drei Jahrzehnten und unabhängig von den Skulpturen. Das wird extra betont, denn die Bezüge und Assoziationen zwischen den einzelnen Fotos und Plastiken sind so frappierend, als seien sie schon immer miteinander verbunden gewesen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Juni. Der Eintritt ist frei.

Abguss-Sammlung Antiker Plastik Berlin
Schloßstraße 69b
14059 Berlin
www.abguss-sammlung-berlin.de

Kaffeepause mit Berliner Charme

Nur wenige Gehminuten entfernt, am Klausenerplatz 5, gibt es das Galerie-Café Reet. Ein kleines Café mit besonderem Berliner Charme und leckerem Kuchen. Wenn ich in Charlottenburg bin, mache ich dort jedes Mal einen Zwischenstopp und genieße den Blick aus dem Fenster oder sitze direkt draußen. Nach einer oder auch mehreren Kaffeespezialitäten im Reet bin ich wieder fit für den Puls dieser Stadt.

Dieser Beitrag wurde auch bei Focus-Online veröffentlicht.

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Ein besonderes Haus in Berlin

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Dieser Beitrag wurde auch bei Focus-Online veröffentlicht.

Es ist ein Muss. Seit ich vor Jahren zum ersten Mal im Berliner Brücke-Museum war, zieht mich das inmitten von Kiefern und Birken ein wenig versteckt in einer Dahlemer Wohnsiedlung gelegene Haus magisch an. Durch seine betont rechtwinklige Architektur mit den vielen Ein- und Durchblicken auf die umgebende Natur ist das Haus selbst schon etwas Besonderes. Für die expressionistische Brücke-Kunst bildet es den perfekten Rahmen.

Das Museum hat seit seinem Bestehen nicht nur die größte Sammlung an Brücke-Kunst zusammengetragen, wie die Museums-Webseite anschaulich beschreibt, das Haus besitzt – mit der Karl und Emy Schmidt-Rottluff-Stiftung – auch mehr als 2000 Werke von Schmidt-Rottluff. Dieser hat 1905 in Dresden gemeinsam mit drei anderen Architekturstudenten die Künstlervereinigung Brücke gegründet. Neben Karl Schmidt-Rottluff waren das Ernst Ludwig Kircher, Erich Heckel und Fritz Bleyl. Fernab der akademischen Pfade wollten sie gemeinsam neue künstlerische Wege gehen und prägten so den Expressionismus entscheidend mit. Ihnen schlossen sich weitere Künstler wie Emil Nolde, Max Pechstein und Otto Mueller an.

Von Dresden nach Berlin

Drei Sommer lang, von 1909 bis 1911, malten Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel an den Moritzburger Teichen vor den Toren Dresdens, schufen Landschaften und Akte in leuchtenden Farbkontrasten und reduzierten Formen, verzichteten auf traditionelle Proportionen und Perspektiven. Ich kenne die Landschaft, in der sie malten. Die besondere Atmosphäre, die Kirchner und Co. vor mehr als hundert Jahren dort empfunden haben müssen, erspürt man noch heute. Als würde diese Landschaft mit dem eigenen Innenleben in einen Dialog treten. 1911 endeten jedoch die sommerlichen Ausflüge nach Moritzburg und etwas Neues begann, als die Künstler nach Berlin zogen. In der Metropole, im Flair der Weltstadt, erhofften und fanden sie ein aufgeschlossenes Publikum und Anschluss an die internationale Avantgarde.

Viele Selbstporträts  

An seinem 80. Geburtstag soll Karl Schmidt-Rottluff den Vorschlag für den Bau des Brücke-Museums in Berlin gemacht haben. Das war im Jahr 1964. 1967 wurde das Museum in Dahlem eröffnet. Die aktuelle Ausstellung Karl Schmidt-Rottluff. Bild und Selbstbild zeigt einen Teil der 70 Selbstporträts des Künstlers. Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafik. Die präsentierten Werke sind während eines Zeitraums von mehr als sechs Jahrzehnten entstanden und führen dem Besucher anhand desselben Motivs die künstlerischen Entwicklungen des Malers vor Augen. Dies ist möglich, weil Schmidt-Rottluff während seines langen Lebens ungewöhnlich viele Selbstporträts geschaffen hat. Umso auffallender ist, dass der Künstler während des Nationalsozialismus nur ein einziges Porträt von sich gemalt hat. Stattdessen schuf Schmidt-Rottluff während dieser Jahre, in denen er verfemt mit Berufsverbot belegt war und sein Werk als sogenannte „Entartete Kunst“ galt, verstärkt Bilder, die enge und beklemmende Innenräume darstellen.

Mit dabei wichtige Wegbegleiter

Die aktuelle Ausstellung des Bücke-Museums zeigt neben den Selbstporträts des Künstlers auch Bildnisse von Menschen, die in Schmidt-Rottluffs Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Wie seine Frau Emy. Ihr Porträt hat der Künstler immer wieder in verschiedener Ausdrucksform und Technik festghalten. Auch dies dokumentiert die Ausstellung sehr eindrucksvoll anhand zahlreicher Porträts von Emy, die während vieler Jahrzehnte entstanden sind. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir außerdem zwei Porträts der Kunsthistorikerin Rosa Schapire, die als passives Mitglied der Künstlervereinigung Brücke bis zu deren Auflösung 1913 angehört hatte. Ebenfalls mit Selbstbildnissen vertreten sind Karl Schmidt-Rottluffs Weggefährten Erich Heckel, Otto Mueller, Emil Nolde oder Ernst Ludwig Kirchner.

Die Ausstellung läuft bis zum 26. Juni 2016

Wieder einmal bin ich die Runde im weißen Atriumbau entgegengesetzt zur Ausstellungs-Chronologie gegangen und habe mir die jüngsten Bilder zuerst angesehen. Eine etwas andere, für mich sehr spannende Perspektive, die die künstlerische Entwicklung auf den Kopf zu stellen scheint. In diesem Fall sind die jüngsten Bilder Werke von Karl Schmidt-Rottluff aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts. Die ältesten sind vor 1910 entstanden. Besonders erwähnen möchte ich auch das Bild Blockadestillleben von 1948, eins der wenigen Werke dieser Ausstellung, das keine Menschen zeigt. Die Anordnung der dargestellten Alltagsgegenstände und die Farben erzeugen eine beklemmende Atmosphäre beim Betrachter. So war zumindest mein Empfinden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. Juni 2016. Sehens- und erlebenswert.

Tipp zur Anreise

Mit dem Bus kommt man bis kurz vor das Museum (Anfahrt-Infos auf der Museumsseite, s.u.). Wer jedoch Lust auf einen Spaziergang durch das Dahlemer Villenviertel hat und einen Überblick über die Architekturstile aus dem (überwiegend) letzten Jahrhundert bekommen möchte, kann in der U-Bahn-Linie 3 zur Podbielski-Allee fahren und dort den Schildern zum Brücke-Museum folgen. Der Fußweg ist gut zwei Kilometer lang.

Brücke Museum Berlin
Bussardsteig 9
14195 Berlin
www.bruecke-museum.de

Weiter Blick über Berlin

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Ein schöner Ort. Nicht nur hier oben, über den Dächern von Berlin, sondern auch mittendrin im quirligen und spannenden Alltag dieser ruhelosen Stadt. Jung, mutig, frech, den Blick in die Welt gerichtet, widersprüchlich, streitbar, eine Stadt der Kunst und Kultur ohne Krusten, im Bewusstsein der ganzen Wucht der Geschichte und der Verantwortung für die Zukunft. Das alles ist Berlin für mich. Und noch so viel mehr. Der Ort, an dem ich gerade stehe, weiß um die wechselvolle Geschichte. Er hat sie selbst erlebt und gerade darum spürt man hier, auf dem Dach des Reichstagsgebäudes, die Gegenwart umso intensiver. Ich genieße jedenfalls den Augenblick beim weiten Blick über Berlin.

Von der Vergangenheit überrascht

Zeitreisen sind beliebt, vor allem in Romanen. Und sie werden es vermutlich bleiben, denn in manchen von uns steckt die Sehnsucht, die Vergangenheit zu erkunden. Im letzten Sommer habe ich eine besondere Reise in die Vergangenheit gemacht. Zu meinem Großvater ins Baltikum. Genauer, zu seinem Grab nach Tallinn.

Vom Leben meines Großvaters ist leider nur wenig bekannt. Er ist 1943 an seinem dreißigsten Geburtstag im finnischen Kotka gestorben, nach einem Bombardement des Minensuchboots, auf dem er Maschinenmaat war. Weil meine Großmutter seinen frühen Tod nie verwunden hat, haben ihre Kinder Fragen nach ihrem Vater vermieden. Also habe ich mich auf seine Spuren begeben und diese in einem kleinen Reisetagebuch festgehalten, ergänzt um die letzten Briefe meines Großvaters an meine Großmutter.

Das war’s, dachte ich. Doch nachdem nun ein Historiker – ein beruflich Zeitreisender – das Tagebuch gelesen hat, sandte er mir Berichte und andere Quellen, die meine spärlichen Informationen bereichern. Bei dem Material befinden sich auch Fotos des Schiffes, auf dem mein Großvater war. Ein Foto zeigt die gesamte Besatzung vor dem Angriff. Und plötzlich war die Vergangenheit wieder ganz nahe gerückt.

Briefe_grossvater - KopieDer unerwartete Fund weckte in mir den Wunsch, die Reise zu meinem Großvater möglichst bald fortzusetzen. Diesmal an den Ort, an dem er geboren und aufgewachsen ist, südwestlich von Breslau in Polen gelegen. Darum habe ich beschlossen, mein Reisetagebuch um die neuen Informationen und meine weitere Reise zu erweitern, unter neuem Titel. Vielleicht wird diesmal sogar eine richtige Geschichte daraus. Eins habe ich für mich schon jetzt aus der Suche gelernt: Die Gegenwart gewinnt im Kennen und Verstehen der eigenen Vergangenheit.